Mainz plant Pilotprojekte in Trier

TRIER/MAINZ. Die Landesregierung will in Trier nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen testen und den Aufbau eines Fahrradverleihsystems fördern. Das kündigte die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken am Montag in Mainz an.

Höfken hat mit dem “Runden Tisch Lärm” eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zum Lärmschutz gegründet. Zusammen mit Dr. Rokho Kim von der Weltgesundheitsorganisation WHO, den Kirchen, Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände, von Bürgerinitiativen und der Wissenschaft werde die Landesregierung die Herausforderung Lärm angehen, kündigte die Grüne an. “Damit wollen wir beim Lärmschutz mehr Transparenz schaffen und Bürgerbeteiligung ermöglichen”, erklärte Höfken.

Rückendeckung bekam die Ministerin von Dr. Kim, dem verantwortlichen Wissenschaftler für Lärmschutz bei der WHO, der auf die gesundheitsschädigende Wirkung von Lärm aufmerksam machte und die “Night Noise Guidelines” der WHO vorstellte: “Umgebungslärm, der vom Straßen-, Bahn- und Luftverkehr ausgeht oder von Aktivitäten in der Nachbarschaft, kann Schlafstörungen, Herzleiden und Tinnitus verursachen”, betonte Rokho Kim. Studien hätten gezeigt, dass in vielen europäischen Städten Lärmverschmutzung gleich nach der Luftverschmutzung eines der wichtigsten gesundheitlichen Umweltprobleme sei. Zum Schutz der Gesundheit habe die WHO Lärmgrenzwerte aufgestellt. Kim: “Wir begrüßen die Absicht der rheinland-pfälzischen Landesregierung, diese Grenzwerte in ihr Landesrecht aufzunehmen.”

Ministerin Höfken ergänzte, dass in Rheinland-Pfalz mindestens 32.000 Menschen allein durch Straßenverkehr Lärmpegeln ausgesetzt seien, die langfristig die Gesundheit beeinträchtigten. Lärmschutz sei in erster Linie Aufgabe der Kommunen, doch fehlten diesen dazu zumeist wirksame Rechtsgrundlagen und Finanzen. Die Kommunen seien nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz verpflichtet, bis Juli 2013 so genannte Lärmaktionspläne aufzustellen. “Die Landesregierung will den aktiven Lärmschutz vor Ort voran treiben und unterstützt die Lärmaktionsplanung deshalb mit 300.000 Euro, die für Pilotprojekte bereit stehen”, sagte Höfken.

Folgende erste Pilotprojekte hat der Runde Tisch am Montag befürwortet: Beginnend in Mainz und Trier werden an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen erprobt. In Trier und in Ludwigshafen (in Kooperation mit der Stadt Mannheim) werde zudem der Aufbau von Fahrradverleihsystemen gefördert. In einer internationalen Kooperation mit dem schweizerischen Bundesamt für Umwelt und der Universität Bern testet die Stadt Ludwigshafen Strategien, wie durch veränderte Fahrstile (Eco-Drive) Straßenlärm reduziert werden kann. Die Verbandsgemeinden Altenglan, Selters, Thaleischweiler-Fröschen und Konz bauen in Schulen und Kitas Akustikdecken ein, die störenden Schall unterdrücken und damit den Lärmpegel senken.

Konsens des “Runden Tischs Lärm” ist die lärmquellenübergreifende Herangehensweise, zum Beispiel im Mittelrheintal sowie um den Flughafen Hahn. Dort regt die Arbeitsgruppe Gesamtlärmbetrachtungen und interkommunale Lärmaktionsplanungen an. Besonders in fluglärmbelasteten Gebieten sollen Schulen und Kitas besser geschützt werden.

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Stephan Jäger schreibt:

    Frau Höfken sollte sich vielleicht einfach mal einen Wochenendtripp nach Trier gönnen (Inklusive nächtlicher Spaziergänge durch Saar- und Paulinstraße)…

    …dann wäre ihr möglicherweise schnell klar, dass auch diese Geschwindigkeitsbegrenzungen nur soviel wert sein werden, wie ihre flächendeckende Kontrolle (Solange nämlich Leute 80 fahren, wo 50 ist, muss man sich keine Gedanken über 30 machen)…

    …und, dass Trier kein „Fahrradverleihsystem“ braucht, sondern ein ohne ständige Lebensgefahr mit dem Fahrrad benutzbares Verkehrswegenetz.

  2. Helmut Heibel schreibt:

    Die sollen ihren Unfug in Mainz testen, wir leiden hier schon genug!

    Es fehlt an brauchbaren Straßen, es fehlen Entlastungsstrecken, in Kürenz beglückt man die Anwohnern mit immer mehr Verkehr durch das Erschließen neuer Wohngebiete ohne Verkehrskonzept.

    Eine brauchbare Autobahnanbindung fehlt, ebenso eine Entlastung durch den Meulenwald.

    Jetzt schleichen wir demnächst noch mit 30 über das Pacelliufer.

  3. Stephan Jäger schreibt:

    @Helmut Heibel

    Ahh ja! Wenn man im Auto sitzt, braucht man überall Straßen aber da, wo man wohnt, braucht man Entlastung vom „Verkehr“. „Verkehr“, Herr Heibel, sind nicht nur die Anderen.

    Wenn jeder nur ein kleines bißchen bereit wäre, bei sich selbst anzufangen, mal „30 zu schleichen“ oder das Auto vielleicht sogar mal ganz stehen zu lassen, wenn er nur z.B. aus Kürenz in die Stadt will, dann wäre in Sachen „Entlastung“ schon viel erreicht. Aber solange jeder Lösungen immer nur von Anderen erwartet, selbst aber in keinster Weise bereit ist, sich einzuschränken und hier und da mal auf Bequemlichkeit zu verzichten, wird sich nichts ändern in Trier. Mit der Lärmbelastung nicht. Und auch nicht mit dem Verkehrsfluss.

  4. Anja Reinermann-Matatko schreibt:

    @Stephan Jäger

    Die Projekte hat nicht Mainz erfunden, sondern das war alles, was die Stadtverwaltung Trier an Ideen hatte, um sich um die 300.000 Euro, die die Landesregierung für Lärmschutzprojekte zur Verfügung gestellt hat, zu bewerben. Auf Nachfrage hat man uns informiert, diskutieren wollte man mit dem Stadtrat über einzureichende Projekte nicht. Dabei war klar, dass die 300.000 Euro von den Kommunen kaum wahr genommen wurden und daher große Aussicht auf Förderung der Projekte, die man einreicht, besteht.

  5. Stephan Jäger schreibt:

    @Anja Reinermann-Matatko

    „…sondern das war alles, was die Stadtverwaltung Trier an Ideen hatte,…“

    Einerseits müsste es einen wundern, dass jemandem, der die Verhälnisse in Trier kennt, nichts anderes einfällt, als ein „Fahrradverleihsystem“ in dieser mit dem Fahrrad praktisch nicht benutzbaren Stadt.

    Andererseits wundert es einen eben nicht, wenn man die Trierer Stadtverwaltung und deren „Wirken“ kennt. Ist sie doch für diese Verhältnisse (und deren Fortbestehen) maßgeblich verantwortlich.

    War nicht 300.000 Euro ziemlich genau das, was dieser “Haupsache wir hauen mal den kompletten Radverkehrs-Jahresetat irgendwo, wo es nicht so stört, auf einmal auf den Kopf“-Luxusradweg zwischen Hallenbad und Bernhardstraße gekostet hat?

  6. Marcelle Deschamps schreibt:

    @ ….aber liebe Frau Reinermann-Matatko, das ist doch schon ein Riesenerfolg. Seit 2007 blieben bisher alle Bemühungen und Vorschläge einer Bürgerinitiative unbeachtet, Maßnahmen zu einer Verkehrsberuhigung zu ergreifen.

  7. Helmut Heibel schreibt:

    an Herrn Jäger,

    sind Sie Verkehrs-Kleriker?

    Straßen sind Leben, ohne Straßenverkehr funktioniert unsere Wirtschaft nicht.

    Es wird auch nicht gelingen Träume eines Prof. Mondorf unzusetzen.

    Der individuale, motorisierte Verkehr wird in Trier kaum zu ersetzten sein.

    Ich fahre sehr viel mit dem Rad, Trier ist aber nicht einfach zu fahren, wenn ich nach Tarforst oder auf den Markusberg muss, was oft vorkommt, ist es nicht ganz einfach.

    Tempo 30 gehört in Wohngebiete, aber nicht in Durchgangs- oder innerstädtische Straßen.

    Und Herr Jäger,

    man plant doch die Zuwegung mit, wenn man ein neues Wohngebiet erschließt oder nicht?

    oder um es mit den Worten der älteren Generation zu sagen, zuerst kauft man das Pferd und dann den Zaum, in Trier ist das wohl anders.

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