Mehrkosten in Millionenhöhe

Die Generalsanierung der ehemaligen Theodor-Heuss-Hauptschule und die Instandsetzung des AVG-Klosterbaus kommen die Stadt deutlich teurer als geplant. Im Rathaus rechnet man mit Mehrkosten von insgesamt mehr als 1,6 Millionen Euro. Das geht aus Vorlagen hervor, über die der Stadtrat an diesem Donnerstag in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause beraten wird. Im Fall der Heuss-Schule, die künftig als Grundschulstandort dienen soll, macht dem Rathaus nach eigener Darstellung vor allem die völlige Überlastung der Dachdeckerbetriebe zu schaffen. Der hierdurch verminderte Wettbewerb habe es unmöglich gemacht, die gewünschten Ergebnisse bei der Vergabe zu erzielen. War man im Februar 2011 noch von rund 4,1 Millionen Euro Gesamtkosten für das Vorhaben in Trier-Nord ausgegangen, ist nun schon von knapp 5,3 Millionen die Rede.  

TRIER. Insgesamt sollen die Kosten für die Erstinstandsetzung des Klosterbaus des Auguste Viktoria Gymnasiums von 4,8 auf mindestens 5,8 Millionen Euro steigen. Zur Begründung heißt es, dass man bei den Arbeiten im Bereich des Dachbodens auf “eine Schadstoffbelastung mit schwach gebundenem Asbest in Form von Rohrisolierungen” gestoßen sei. Im Zuge einer hierdurch notwendigen umfassenden Sanierung habe man sich für die Errichtung eines komplett neuen Dachstuhls entschieden –  weil dies die “baufachlich und wirtschaftlich” bessere Option sei. Denn um den bestehenden Dachstuhl von allen Fasern restlos zu befreien, müsste laut Verwaltung das alte Gebälk “mit Feinstaubsaugern Zentimeter für Zentimeter dekontaminiert” werden. Man sei sich innerhalb des Rathauses und mit externen Fachleuten einig, dass dieser Aufwand “in keinem finanziell und zeitlich vertretbaren Verhältnis zu einer Neuerrichtung” stehe.

Die nun notwendige Schadstoffsanierung wird den ursprünglich vorgesehenen Zeitrahmen sprengen, mit sechs bis acht Monaten zusätzlicher Bauzeit ist nun zu rechnen – mindestens. Klar ist: Die Container für die Ersatzklassen werden länger benötigt. Allein für die längere Mietdauer werden Mehrkosten von rund 77.000 Euro fällig. Doch insgesamt rechnet man am Augustinerhof mit einem zusätzlichen Finanzbedarf beim AVG von etwa 996.000 Euro. Auf mehr Geld als die von Mainz schon zugesagten 2,22 Millionen Euro wird das Rathaus nicht hoffen können, denn es handelt sich um eine sogenannte Festbetragsfinanzierung. Im Klartext: Die Mehrkosten bleiben komplett an der Stadt hängen.

Wachschutz auf der Baustelle

Auch in der Thyrsusstraße in Trier-Nord müssen die Dachdecker anrücken, doch war es offenbar kein leichtes Unterfangen, eine passende Firma zu finden. Denn wie Schulverwaltungsamt und Amt für Gebäudewirtschaft berichten, ergab sich die größte Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Berechnung bei den Gewerken Dachdecker- und Fensterarbeiten. “Ausschlaggebend war hier der verminderte Wettbewerb durch hohe Auslastung der Betriebe. So wurden im Gewerk Dachdeckerarbeiten 16 Unternehmen angefragt, jedoch haben nur vier ein Angebot abgegeben”. Beim Gewerk Fensterarbeiten sei “trotz quantitativ besserem Wettbewerb, weder bei den Fensterelementen aus Aluminium, noch bei den Holz-Alu-Fenstern, das veranschlagte Ergebnis erzielt” worden. Eine Kostenreduzierung habe nur noch durch die getrennte Vergabe des Ausbaus der Fenster und durch den Wegfall der elektrischen Türantriebe erreicht werden können.

In der Verwaltung ist man ernüchtert: “Die Auslastung der Betriebe in unserer Region ist offensichtlich zu hoch; auch macht sich die Nähe zu Luxemburg bei den Angeboten in der Preisgestaltung bemerkbar”. Kostengünstige Preise seien meist nur mit überregionalen Firmen zu erzielen. Für die Elektroarbeiten werden 50.000 Euro mehr als geplant fällig, eine notwendige Kanalumverlegung schlägt noch einmal mit 70.000 Euro zu Buche.  Damit nicht genug: In den Klassenräumen war vorgesehen, die vorhandenen Akustikdecken zu ergänzen. Bis die Messung und Berechnung eines Sachverständigen für Raumakustik zu dem Ergebnis kam,  dass sich mit dem Bestand “die heutigen, in der DIN 18041 festgelegten Anforderungen” nicht mehr erfüllen ließen. Nun mussten neue Decken her, wodurch eine deutliche Verbesserung der Akustik erreicht werde. Zusätzliche Kosten: 38.000 Euro.  Ein weiteres Problem: Nachdem die Baustelle fast fünf Monate ohne nennenswerte Beschädigung von außenstehenden Personen geblieben sei, habe man in den letzten Wochen vermehrt Einbrüche und Vandalismusübergriffe zu beklagen. “Vor kurzem wurden gar die Dächer betreten, Lüftungshauben entfernt und vorhandene Lichtkuppeln beschädigt. Aus Sicherheitsgründen ist der Einsatz eines Wachschutzes erforderlich”, so die Stadt. Kostenpunkt:  20.000 Euro.

Waren ursprünglich etwa 4,1 Millionen Euro für den Umbau der alten Heuss-Schule vorgesehen, in die künftig die Ambrosius-Grundschule einziehen soll, kletterte dieser Betrag nach einer ersten Kostenfortschreibung um mehr als eine halbe Million auf 4,66 Millionen Euro. Nun wird das Vorhaben fast 5,3 Millionen Euro kosten – wenn nicht noch eine Kostenfortschreibung folgt.

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3 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. A. Kupfer schreibt:

    Wissensfragen: 1. Wurde denn überregional ausgeschrieben oder musste das hiesige Handwerk bevorzugt werden? 2. Muss die Stadt nach wie vor den billigsten Anbieter beauftragen? 3. Könnte man nicht erst eine Ausschreibung für eine umfassende Analyse eines Bauvorhabens machen und auf Basis des Ergebnisses entscheiden, was und wie etwas gemacht werden soll und die Gelder entsprechend beantragen? 4. Gehören diese Fragen (und die Antworten!) vielleicht eher auf die “Bürgerhaushalt mitgestalten”?

  2. Thomas Meisezahn schreibt:

    Zu 1: Vergibt man überregional beschwert sich die Handwerkskammer. Tut man es nicht wird es teurer. Einen Tod muss man sterben…
    Zu 2: Das günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Anders in der Schweiz, hier erhält der zweitgünstigste Anbieter den Zuschlag, damit soll verhindert werden das der Preis unrealistisch gedrückt wird um einen Auftrag zu erhalten.
    Zu 3: Das geht Vergaberechtlich nicht. Wenn ausgeschrieben wird, muss auch vergeben werden. Die Aufhebung einer Ausschreibung ist nur unter besonderen Umständen möglich. Ein weiteres Problem wären die Fristen zur Beantragung der Fördermittel.
    Zu 4: Der Bürgerhaushalt soll Ideen einsammeln, keine Fragen beantworten ;-)

  3. Rainer Landele schreibt:

    @Thomas Meisezahn, zu punkt zwei:

    das ist ja mal eine geile idee. und warum geht das bei uns nicht? muss man wohl wieder einen juristen fragen, warum es unumstössliche grundsätze gibt, die solch eine bauernschlaue regelung in deutschland unmöglich machen…

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