Mit Mut gegen Mobbing

Schüler des Max-Planck-Gymnasiums bei einer Aufführung des Antimobbing-Stücks "It gets better? – Ätt gitt besser". Foto: Gianna NiewelMit dem Anti-Mobbing-Theater “It gets better? – Ätt gitt besser” macht der Trierer Verein “mut’s” (“Motivation unites talents for society” – “Motivation vereint Talente für die Gesellschaft”) noch bis Mitte Juni Halt an verschiedenen Schulen. Doch die Schüler lassen sich nicht etwa berieseln: Sie sind selbst Teil des Stückes, können sich mit eigenen Ideen einbringen und auf die Gefahren von Mobbing aufmerksam machen. Jede Schule hat ihre eigene Aufführung. Die Botschaft aber bleibt gleich: Habt den Mut, Hilfe zu suchen, wenn ihr ausgegrenzt werdet. Im Rahmen der Gewaltpräventionswochen ist das Stück an diesem Mittwoch um 17 Uhr in der Tufa zu sehen.

TRIER. “Wenn ich gemobbt werde – und das kommt häufig vor – dann helfen mir meine Eltern, die mir sagen, was meine Stärken sind” – das Mädchen gibt das Mikrofon weiter. “Ich gehe an die frische Luft und treibe Sport, bis ich vollkommen ausgepowert bin.” In der Aula des Max-Planck-Gymnasiums ist es so still, man könnte eine Nadel fallen hören. Nun greift ein Junge zum Mikro: “Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Freunde sich von mir abwenden, erinnere ich mich an die guten Zeiten.”

Mit dem Theater “It gets better? – Ätt gitt besser” wollen die Jungen und Mädchen die rund 90 Zuschauer auf das Thema “Mobbing” aufmerksam machen und vor den Folgen warnen. “Man verliert sein gesamtes Selbstvertrauen, das kann für das gesamte Leben prägen. Man wird unsichtbar”, sagt eine 16 Jahre alte Schülerin, die zu wissen scheint, wovon sie spricht. Sie sitzt auf einem Stuhl in der Mitte der Bühne und erzählt, wie schlecht sie sich gefühlt hat, als ihre Freunde sie grundlos ausgeschlossen hatten. Um sie herum in diesem “Mobbingkreis” stehen schwarz gekleidete Jungen und Mädchen mit weißen Masken, die ihr Gesicht verdecken. Sie starren das Mädchen in ihrer Mitte an, helfen ihr aber nicht.

“Wir wollen das Schweigen brechen und die Schüler ermutigen, sich zu wehren und Hilfe zu suchen. Und diejenigen, die selbst mobben, sollen sensibilisiert werden für das, was sie mit der bewussten Ausgrenzung anrichten”, sagt Beatrice Bergér, die die musikalische Leitung der knapp dreistündigen Veranstaltung übernimmt. Sie ist in Amerika auf das Projekt gestoßen und hat es zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern des Vereins “mut’s” an Trierer Schulen gebracht.

Nachdem bereits Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums und der Nelson-Mandela-Realschule Plus bei der Aufführung mitgewirkt haben, konnten die Gesangspädagogin und ihre Kollegen in der vergangenen Woche Schüler des MPG für “It gets better – Ätt gitt besser” gewinnen. Die Grundidee bleibt an allen Schulen der Kampf gegen Mobbing, die Szenen aber variieren von Schule zu Schule, weil die Schüler sie nach ihren Vorstellungen und vor allem aber nach ihren eigenen Erfahrungen mit Ausgrenzung gestalten können. Die Sänger bringt Bergér aus ihrem Gesangsunterricht mit – die Schulkinder können aber auf Wunsch kleine Parts übernehmen.

Insgesamt fast 40 Fünft-, Sechst, Zehnt- und Zwölftklässler des Max-Planck-Gymnasiums haben sich im Zuge einer Projektwoche überlegt, wie sie dem Stück eine eigene Note verleihen können. Sie haben geschminkt, gefilmt, das Programmheft erstellt oder sich kleine Dialoge ausgedacht: Eine Sängerin singt “Beautiful” von Christina Aguilera, ein Lied, das davon handelt, dass man genau so schön ist, wie man ist. Im Anschluss daran nimmt ein Mädchen all ihren Mut zusammen und erklärt ihren Freunden, dass sie keine Lust hat, sich aufwendig zu schminken, teuere Anziehsachen zu tragen und ihre Haare zu stylen, nur um vermeintlich cool zu sein.

“Rachel, du bist so eine starke Frau, lass dich von dem Gerede nicht runterziehen”, sagt nun ein Junge zu einem anderen Mädchen und zusammen singen die beiden “Titanium” von David Guetta – in dem Lied geht es darum, stark zu sein, immer wieder aufzustehen.

Denn das ist es, was Bergér und ihre Kollegen, was die Sänger und Schüler mit dem Anti-Mobbing-Theater, das heute um 17 Uhr im Rahmen der Gewaltpräventionswochen in der Tufa Station macht, vermitteln wollen: Am Ende des Tunnels ist Licht. Oder aber, in feinster Trierer Mundart: “Ätt gitt besser”.

Weitere Infos über das Projekt finden Sie hier.

Gianna Niewel

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. kinzig hans peter schreibt:

    Wer andere mobbt hat selbst soviel Dreck am Stecken und lenkt so von sich ab.
    Außerdem haben die kein Rückgrat.

  2. rüdiger Rauls schreibt:

    Nicht alles, was vielleicht gut gemeint ist, ist auch hilfreich.
    Das im Text beschriebene Beispiel der Schülerin, die nach einer Mobbingattacke die Bestätigung der Eltern sucht, ist verständlich. Aber das kann auch zur Verfestigung von Verhalten führen, das gerade Mobbing begünstigt. Es ist klar und richtig, dass Eltern ihre Kinder schützen wollen. Nur es sind in diesem Falle nicht die Eltern, die mobben. sondern andere.
    Konfliktvermeidung hilft den Opfern des Mobbings nicht, was bedeutet, dass sich der Gemobbte den Mobbern stellen muss. Die schwer zu stellende Frage ist: “Was an mir passt Euch nicht?” Und noch schwerer ist es vielleicht, die Antwort zu ertragen, die wahrscheinlich nicht dem Bild entsprechen wird, das man von sich selbst hat.
    Aber auch die Mobber müssen sich stellen. Jeder einzelne muss Farbe bekennen Auge in Auge mit dem Opfer und sich selbst die Frage stellen, “WAS lehne ich in dem anderen ab?” Das ist nicht einfach, denn die Mobber können sich nicht mehr in der Deckung der Anonymität verstecken.
    Diese Konfliktbearbeitung muss natürlich in einem moderierten Rahmen geschehen, wo moralische Bewertung und Verurteilung keinen Raum haben. Es geht um Problemlösung nicht um Schuldzuweisung. Konflikte werden nicht gelöst, indem man sie unter den Tisch fallen lässt oder wegdiskutiert. Sie müssen bearbeitet werden. Der erste Schritt dazu ist, dass jede der Konfliktparteien ihre Sicht der Situation darstellen kann, ohne dass am Ende vorschnelle Harmonie steht.

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