Neue Unterkunft gesucht

TRIER. Die Obdachlosen-Initiative “EinTritt” sucht schnellstmöglich eine neue Unterkunft. Die bisherige Bleibe soll in den nächsten Monaten abgerissen werden.

Das windschiefe Haus in der Innenstadt mit seinem schmalen Dach und dem dunklen Hinterhof wirkt wenig einladend. Und doch: Der Sitz der Obdachlosen-Initiative “EinTritt” in der Großen Eulenpfütz 5 ist ein fester Treffpunkt in der Szene. Vier bewohnbare Zimmer, eine Küche, Sitzecke, Toilette und eine Werkstatt sind vorhanden. “Gerade in der kalten Jahreszeit kommen immer wieder Leute von der Straße hierher, um sich aufzuwärmen”, sagt Michael-Ron Stallwood, 35, der die Initiative im Mai 2010 gründete.

Zumeist kommen Obdachlose, die nicht ins örtliche Obdachlosen-Asyl, dem Benedikt-Labre-Haus, können oder wollen. Zurzeit betreut “EinTritt” fünf Klienten. Zwei davon wohnen in der Eulenpfütz, einer ist in Therapie, zwei kommen unregelmäßig vorbei. Einer der Menschen, die “EinTritt” hilft, ist “Jonathan”, 65, der gelernter Schreiner ist und 20 Jahre auf der Straße lebte. “Durch die Hilfe von “EinTritt” habe ich wieder ein Dach überm Kopf und eine Krankenversicherung”, sagt er. Beides sei die Grundlage, um von der Straße zu kommen.

Seit November 2010 konnte Stallwood, unterstützt von zurzeit 14 ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, dazu beitragen, 22 Menschen von der Straße aktiv zu helfen: bei Arztbesuchen, Arbeitsvermittlung, Gang zu Ämtern, aber auch bei der Suche nach einem Ausstieg aus dem Alkohol. “Die größte Hürde, um von der Straße wegzukommen, ist meistens die Sucht”, berichtet Stallwood. Daher gilt im Haus ein striktes Alkoholverbot.

Der Verein existiert ohne öffentliche Zuschüsse: Die geringe Miete von monatlich 250 Euro wird aus Spenden von Stiftungen und Privatspendern sowie aus Mitgliedsbeiträgen finanziert. “Der Besitzer hat ein gutes Herz und unterstützt unser Projekt”, so Stallwood.

Das Gebäude soll jedoch noch dieses Jahr abgerissen werden. Ein Auszug soll spätestens bis Mai stattfinden. “Bis dahin suchen wir händeringend etwas Neues”, sagt Stallwood. Im Idealfall ein renovierungsbedürftiges Haus mit fünf Räumen, Nasszelle und Lagermöglichkeiten. Der Miete seien enge Grenzen gesetzt, aber im Gegenzug könne “EinTritt” dazu beitragen, die neue Bleibe mit Renovierungsarbeiten aufzuwerten.

Wenn in den nächsten Monaten keine Lösung gefunden werde, könne das Projekt in dieser Form nicht mehr fortgeführt werden.

Print Friendly

von

1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Philipp Jakobs schreibt:

    Als langjähriger Freund und früherer Kollege von Michael Stallwood drücke ich ihm sämtliche Daumen und hoffe, dass die Unterkunftssuche noch zum Guten verläuft. Dieses Projekt, das Trier nötig hat, hat es echt verdient, weiter geführt zu werden – es wäre sehr schade, wenn das nun “nur” an der Miete scheiterte.

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Unterstützen

In Evernote merken