Noch kein Plan für Prostitution

ProstitutionIm September öffnete im Norden der Stadt ein sogenanntes Flatrate-Bordell seine Pforten. Offenbar stößt das umstrittene Angebot auf ausreichend Nachfrage, wirbt doch Triers selbst ernannter “Sündenpfuhl Nummer Eins” weiterhin mit Dumping-Tarifen; wie auch der Straßenstrich in der Ruwerer Straße sowie in Zewen weiter Kreise zieht. Vor elf Monaten beschloss der Stadtrat zudem, eine Sexsteuer einzuführen. Die wird mittlerweile erhoben, derweil das von der Verwaltung angekündigte Gesamtkonzept “Prostitution, Bordelle und bordellähnliche Betriebe” weiter auf sich warten lässt. Bis dieses vorliegen wird, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen, wie Dezernent Thomas Egger (parteilos) am Dienstagabend vor dem Stadtrat erklärte. Bereits im Juli will er dem Rat aber vorschlagen, wie die städtische Sperrgebietsverordnung geändert werden könnte.

TRIER. Kürzlich verbuchte die Stadt vor Gericht einen juristischen Erfolg. Die Verwaltung hatte dem Eigentümer einer Immobilie untersagt, sein Wohnhaus in der Eurener Straße für einen bordellartigen Betrieb zu nutzen. In dem Gebäude gingen mehrere Prostituierte ihrem Gewerbe nach. Dabei habe es sich “nicht ausschließlich um Wohnungsprostitution, sondern um einen bordellartigen Betrieb” gehandelt, “da sich die Prostitutionsausübung nicht als untergeordnete Nutzung des Anwesens darstelle, sondern dem Anwesen das Gepräge gebe”, befanden die Richter in ihrer Mitteilung. Eine derartige Nutzung sei aber in dem “baurechtlich am ehesten als Mischgebiet” zu bezeichnenden Viertel nicht zulässig. Wenn überhaupt, dann dürften in einem Mischgebiet nur Gewerbebetriebe ansässig sein, wenn sie “das Wohnen nicht wesentlich stören”. Bei einem bordellartigen Betrieb aber sei mit “milieubedingter Unruhe” zu rechnen, gab das Verwaltungsgericht zu bedenken.

Gut möglich, dass das Urteil auch bei manchen im Milieu für Unruhe sorgte, denn nicht wenige Anbieter arbeiten in Trier in Mischgebieten oder gar reinen Wohngebieten. Etablissements wie der “Poppstall” hingegen sind in reinen Gewerbegebieten ansässig, weshalb das Rathaus die Ansiedlung seinerzeit auch baurechtlich nicht verhindern konnte. Erst die Änderung des Bebauungsplans im Nachhinein schuf die Voraussetzungen dafür, dass die Stadt weiteren Ansiedlungen im Norden Triers einen Riegel vorschob. Doch statt Einzelmaßnahmen und Stückwerk plante man im Rathaus seit längerem eigentlich an einer Gesamtkonzeption. Bündnis 90/Die Grünen wollten nun von der Stadtspitze erfahren, wann denn diese dem Rat zur Beratung vorgelegt werde.

Das kann noch dauern, räumte Dezernent Thomas Egger ein. Es seien “noch weitere umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten verwaltungsinternen Dienststellen und externen Beteiligten erforderlich”, erklärte er zur Begründung, um dann ein wenig konkreter zu werden: Die Verwaltung verfolge “derzeit eine Konzeption, wonach zunächst eine vertretbare Größenordnung für Bordelle und bordellähnliche Nutzungen im Stadtgebiet ermittelt wird und hierauf aufbauend die Standorte der entsprechenden Einrichtungen im Stadtgebiet festgelegt werden”. Bei der Erstellung des Konzepts orientiere man sich am “Freiburger Modell”, so Egger, der erläuterte: “Danach müsste zunächst ein ‘Bedarf’ definiert werden und begleitend im Arbeitskreis ‘Prostitution’ eine Verständigung auf diejenigen Standorte herbeigeführt werden, die bauplanungsrechtlich gesichert bzw. entwickelt werden sollen”. Mit ziemlicher Sicherheit wird sich diese Debatte noch über Jahre hinziehen. Denn dass man auch nur in einem der 19 Stadtteile von der Aussicht auf die Ansiedlung neuer Bordelle erbaut sein dürfte, steht nicht zu erwarten.

Einen präzisen Zeitpunkt, wann der Entwurf für das Konzept vorliegen soll, konnte und wollte Egger dem Rat denn auch nicht nennen. Wohl aber ein Datum für ein Projekt, das ebenfalls Teil des Maßnahmenpakets sein soll – eine Änderung der Sperrbezirke. Deren Grenzen sind seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts unverändert geblieben. Nur mit der entsprechenden Verordnung aber lässt sich das Phänomen des ebenfalls im Norden der Stadt sowie im Stadtteil Zewen anzutreffenden Straßenstrichs angehen. Egger kündigte an, dem Stadtrat im Juli eine Vorlage zur Abstimmung vorzulegen. Unterdessen wurde beim Gesundheitsamt eine Beratungsstelle für Prostituierte eingerichtet. Der Stellenanteil für die Sozialberatung solle auf eine halbe Stelle erhöht werden, das Land, die Stadt und der Landkreis Trier-Saarburg sollen sich hierbei die Kosten teilen. Allerdings laufen die Verhandlungen über die Finanzierung noch.

Weitere Artikel zum Thema: “Moralisch kann man das für eine Schweinerei halten”, Stadt will keine weiteren Bordelle in Triers Norden und Stadt sieht Rot bei Billig-Bordell

Print Friendly

von

6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. V.Clemens schreibt:

    Verhindern kann man die Prostutioton in Trier nicht! Dazu ist ist das Geschäft , auch durch Lux zu lukrativ. Mann kann nur versuchen, sie in Bahnen zu lenken.
    Verbieten, wie gewollt, ist ja nur das St.Florians-Prinzip.(Oh schütz unser Haus, zünd andere an). Es muß nur sichergestellt sein, das niemeand gezwungen wird und alle Steuern/Abgaben bezahlt werden.
    Ich glaube, Trier hat weitaus größere Probleme als ein paar Horizontale .

  2. L. Müller schreibt:

    Nicht nur im Norden der Stadt und in Zewen wurde zuletzt der Strassenprostitution nachgegangen, im Winter sah man die Damen auch an der Ex-Kabinenbahn und in Kenn stehen und seit kurzem kann man sie auch im Trierer Hafen sehen. Zu begrüssen ist diese Entwicklung wahrlich nicht. Man mag sich auch fragen, ob nicht ein zu hohes Angebot besteht, so dass die Damen nur mit günstigen Preisen auf der Strasse ihren Teil vom Kuchen bekommen können.
    Was mich kürzlich verärgert hat, war der Bericht im TV über den verursachten Müll der Damen in der Ruwerer Str., wo die Stadt nun öfter reinigen will – Wo gibt es denn das bitte schön, dass ein Gewerbetreibender seinen Müll einfach so in der Landschaft entsorgt und die Stadt räumt hinter ihm auf? Indirekt fördert man doch so noch das Gewerbe auf der Strasse, abgesehn davon wird da wohl niemand ne ordentliche Steuererklärung machen. Abgesehen davon, steht wohl keine der Frauen ganz freiwillig auf der Strasse.

  3. D.Walter schreibt:

    @ L. Müller
    Sie scheinen es ja zu wissen, selbst die Argentur für Arbeit,
    hat diesen “Berufszweig ” ja schon angeboten, also Vorsicht von wegen
    Steuern und so.
    Was die Unratbeseitigung anbetrifft, gebe ich Ihnen volkommen Recht,
    die Resurcen, die dort gebunden werden, könnten dann zur Reinigung
    des Moselufers, und Weges genutzt werden, denn dort ist
    ” unser schönder Trier ” ganz schön unansehnlich.

  4. H. Meisenkaiser schreibt:

    @ L. Müller Zitat: “… abgesehn davon wird da wohl niemand ne ordentliche Steuererklärung machen. Abgesehen davon, steht wohl keine der Frauen ganz freiwillig auf der Strasse.”
    Die Verwendung des Wortes “wohl” impliziert, dass Sie keine Kenntnis haben. Sie geben mit spärlichen und vor allem oberflächlichen Informationen sowie vorgefasster Meinung Plattitüden und Klischees zum Besten, so etwas ist ärgerlich und der Sache nicht dienlich.

    Ansonsten gilt: Statt immer über die Problematik “Straßenprostitution” zu schwadronieren, sollten sich die Verantwortlichen einmal mit der Anwendung bestehender Vorschriften befassen. So heißt es im § 33 Abs. 2 StVO:
    “Verboten ist… das Anbieten von Waren und Leistungen aller Art auf der Straße… wenn dadurch am Verkehr Teilnehmende in einer den Verkehr gefährdenden oder erschwerenden Weise abgelenkt oder belästigt werden können.”

  5. Rainer Landele schreibt:

    arbeitskreis “prostitution”…???…da würde mich mal interessieren, ob in diesem arbeitskreis auch vertreterInnen von prostitutierten selbst eingebunden sind? ist ja normalerweise üblich in einer demokratie, diejenigen, die von einem problem selbst betroffen sind, bei der lösung und der diskussion zu fragen. aber glaube ich ja nicht, denn nuttenvertreterInnen zu fragen würde ja den anschein von geschäftlicher normalität verbreiten – gott bewahre…

    und mit “problem” meine ich wahrlich nicht prostitution – sondern menschenhandel und zwangsprostition. aber das wird ja gerne miteinander vermengt, wenn es um den angriff auf das prostitutionsgesetz geht.* die abgebildete spiegel-ausgabe ist da ja nur wetterfahne, welche anzeigt, wohin die reise in der gesellschaft geht: zurück in die verlogene zeit der adenauer-ära. wenn`s so weiter geht, ja dann ist öffentliches treffen, singen, trinken und grillen auch bald eine öffentliche gefahr…UUUUPPPPSS…haben wir ja schon…

    * wollte man menschenhandel und zwangsprostitution tatsächlich ernsthaft bekämpfen, dann würde man zuallerst den opfern helfen – indem man ihnen als kronzeugen das endgütlige aufenthaltsrecht in deutschland gewährt. aber darum geht es ja gar nicht, nämlich menschen zu helfen. geht ja in wirklichkeit um moralinsaure weltverbesserungsversuche. und, ja, das thema macht mich wütend. in vielfacher hinsicht…

  6. Corinna Rüffer schreibt:

    Die Anfrage der Grünen an Herrn Egger beinhaltete auch die Frage nach einer Beratungsstelle für Prostituierte nach dem Vorbild anderer Städte (z.B. Saarbrücken). Hierüber muss unbedingt beraten werden. Sexarbeiterinnen leben gefährlich, viele haben Gewalt erfahren. Der Stadt sollte es bei einem Gesamtkonzept nicht nur darum gehen, zu verhindern, dass benutzte Kondome und andere Unerfreulichkeiten zurückgelassen werden und entsorgt werden müssen. Bezogen auf die Regelung der Sperrbezirksverordnung halten wir es für problematisch, wenn die Frauen an den Rand der Stadt gedrängt werden. Denn es ist besonders riskant für sie, an menschenleeren Orten zu den Freiern ins Auto zu steigen. 

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Unterstützen

In Evernote merken