Postdramatik auf der Höhe der Zeit

WoerterUndKoerperMit Martin Heckmanns’ “Wörter und Körper” feierte vor wenigen Tagen die mittlerweile sechste Produktion des Theaterprojekts “bühne1″ im Studio des Trierer Theaters Premiere. Das studentische Ensemble beweist damit wieder einmal, dass auch in Trier aufregend experimentierfreudiges Schauspiel zu machen ist. Am kommenden Mittwoch gibt es ein Gastspiel im Modehaus Marx.

Ein Beitrag von hunderttausend.deTRIER. Seit über fünf Jahren bereichert das Projekt “bühne1” mittlerweile die regionale Theaterszene mit modernen Stoffen und experimentellen Inszenierungen. Erklärtes Ziel der studentischen Gruppe ist es, die in Trier ansonsten wenig ausgeprägte postdramatische Inszenierungskultur zu beleben. Sie wird dabei zwar seit ihrem Beginn von einer Kooperation zwischen dem Theater Trier und der Universität Trier getragen, arbeitet in organisatorischer wie künstlerischer Hinsicht aber weitestgehend autonom.

Michael Gubenko, seit 2010 Projektleiter und Regisseur der “bühne1″, sieht die Rolle des Theaterprojekts darin, “die junge Klientel zu bedienen und auch Mal neue Geschichten im Theater zu erzählen”. Besonders wichtig ist ihm dabei der Anspruch, mit dem kleinen Budget des Projekts ein Höchstmaß an Professionalität zu erreichen. Dem wird auch die aktuelle Produktion “Wörter und Körper” wieder gerecht. Das zeitgenössische Stück von Martin Heckmanns war bisher nur im Rahmen seiner Uraufführung im Jahre 2007 in Stuttgart zu sehen. Es handelt von Menschen, deren Leben beginnen, aus den Fugen zu geraten oder längst im sich ständig wandelnden Schwebezustand gefangen sind.

Das Thema “Wandel” spiegelt sich dabei auch in der Inszenierung wieder. Statt den Stoff herunterspielen zu lassen, wagt sich die Regie an eine moderne Variante des epischen Theaters. Der Verfremdungseffekt kommt dabei vor allem dadurch zum Tragen, dass die Schauspieler ihre Rollen Szene für Szene und manchmal sogar noch häufiger tauschen.

Diese Inszenierungsentscheidung sorgt natürlich zu Beginn des Theaterabends für einige Verwirrung. Sie erzeugt aber nach einer kurzen Eingewöhnung auch eine aufregende Spannung, da regelmäßig nicht klar ist, wer gerade wen spricht und spielt. Anders als man vielleicht erwarten könnte, verliert die Zeichnung der Figuren durch den ständigen Wechsel nicht etwa an Kontur. In gewisser Weise gewinnt sie sogar hinzu, da die Figuren nicht mehr an die Körper der Schauspieler gebunden und gleichzeitig doch immer auf der Bühne präsent sind. Eine eindrucksvolle Leistung, besonders für ein semiprofessionelles Ensemble.

Der beständige Wandel auf der Bühne wird von der sphärischen Stimmung aufgefangen, die das reduzierte Bühnenbild und eine behutsame musikalische Begleitung erzeugen. Letztere überrascht immer wieder, etwa wenn inmitten der sonst eher atmosphärischen Klänge plötzlich ein Neil-Young-Song erklingt. Ein weiteres stimmungsbildendes Element ist dabei auch die intime, vielleicht leider auch etwas zu stickige Begrenztheit der Trierer Studiobühne. Geplant sind zurzeit einige Termine, an denen “Wörter und Körper” das Gebäude des Theater Trier verlässt, darunter etwa ein Gastspiel im Modehaus Marx. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn junges und überraschendes Theater, zumindest wenn es so exzellent wie das der bühne1 ist, in Trier auch einmal auf der ganz großen Bühne stattfinden würde.

Weitere Vorstellungen am Sonntag, 22. Juni, um 18 Uhr, Mittwoch, 9. Juli, um 19 Uhr, und Mittwoch, 16. Juli, um 20 Uhr auf der Studiobühne. Zudem findet am kommenden Mittwoch um 20.30 Uhr Uhr eine Aufführung ihm Rahmen des “GraFiTi”-Festivals im Modehaus Marx statt.

Moritz Riesinger

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