Rockiges Familientreffen

Aimless kommen am Dienstag für einen Auftritt beim "Tefftival" für einen Abend wieder zusammen. Archiv-Foto: Christian JörickeAm Dienstag findet um 19.30 Uhr in der Tuchfabrik zum dritten Mal das „Tefftival“ statt, ein Rock-Festival zu Ehren des 2011 verstorbenen Trierer Musikers Helmut „Teff“ Steffgen, bei dem ehemalige Bands aus der Region sich wieder für einen Abend zusammentun. Die Veranstaltung wird organisiert vom Musiknetzwerk Trier e.V., einem Verein regionaler Musikschaffender, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Bands auf verschiedenen Ebenen zu unterstützen und Kommunikationsstrukturen im Bereich Rock- und Popmusik zu verbessern.

TRIER. Das bisher überaus erfolgreiche Konzept des „Tefftivals“, lokale Bands aus der Vergangenheit noch einmal auferstehen zu lassen und für eine Art rockiges Familientreffen zu sorgen, wurde dieses Jahr aufgefrischt durch den Wettbewerb „Band-O-Mat“, den die Alternative-Metal-Band Dream Casino gewinnen konnte. Wegweisend lautet das etwas sperrige Motto des Festivals in diesem Jahr „Schulterschluss mit dem Heute“ – die Einbindung von aktuellen Acts und Newcomerbands soll auch in Zukunft mit dem „Band-O-Mat“ verfolgt werden. Irgendwann gehen einem ja auch die alten Gruppen aus, oder um es mit Tocotronic zu sagen: „Wir sind hier nicht Seattle, Dirk“.

Die grundsätzliche Idee des Musiknetzwerks, Newcomerbands in jeder Form zu unterstützen, kam auch beim Bandwettbewerb zum Tragen. Außer einem Preisgeld von 500 Euro gab es Equipment und Bandcoachings durch namhafte Musikprofis zu gewinnen.

Für das aktuelle Line-Up hat man außer Dream Casino und dem alljährlichen Auftritt von „The Pride Of Every Mother In Law“ wieder vier hochkarätige Formationen aus der Region Trier gefunden, die musikalisch zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, aber allesamt jede Menge Meriten vorweisen können.

Eine der bekanntesten Trierer Bands der 90er waren Aimless. Die Darkwave-Rocker, die von Bands wie New Model Army oder Dead Can Dance beeinflusst waren und dem Genre mit Violinenklängen einen neuen Sound gaben, hatten in Trier, wo man die Gothicszene in einer Heimsauna unterbringen konnte, trotz ihrer großartigen Live-Performance und erstklassigen Songs einen eher schweren Stand, sorgten aber überregional für Tanzfieber und traurige Ekstase bei schwarz gekleideten jungen Menschen mit mittelschweren Zukunftsängsten.

Eine Ecke fröhlicher ging es bei Frugopop zu, die ebenfalls in den 90ern starteten. Die Krautpop-Band mixte munter Electro, Dancefloor, Pop und Hamburger-Schule-Lyrik zu einer äußerst tanzbaren und hitverdächtigen Melange, die seltsamerweise nie den Weg in die Charts fand. Songtitel wie „Cheesy Like A Babybel“ oder „Aus einem Hedwig Courths-Mahler Roman“ sprechen für sich. Die extrovertierten Livekonzerte der Band, die ihren Drummer regelmäßig in einen aussichtslosen Kampf gegen den Drumcomputer schickte, genossen Kultstatus und gehören bis heute zum Unterhaltsamsten, was je auf Trierer Bühnen zu sehen war.

U-Booty 23, mit Triers Basketball-Ikone James Marsh am Mikrofon, lernten sich während des Studiums in Trier kennen. Die Band spielte mit einem Mix aus Funk und Rock typischen 90er-Jahre-Crossover, der stark von Gruppen wie Living Colour, Primus oder 24-7 Spyz beeinflusst war. Die instrumentalen Fertigkeiten der einzelnen Musiker waren eine Hausnummer für sich und sorgten bei Konzerten für andächtig staunende Nachwuchsmusikanten in den ersten Reihen.

Der dienstälteste Acts des Abends sind die Rustlers, eine der wichtigsten Bands für die Trierer Rockmusikgeschichte und so etwas wie Geburtshelfer der lokalen Rockmusikszene. Seit 1966 (!) spielen die Rustlers Beat und Rock ‘n’ Roll, geprägt von Formationen wie den Kinks, Small Faces und vor allen Dingen den Rolling Stones, deren Songs die Rustlers mit der nötigen Authentizität Tribut erweisen.

Den Abschluss des Abends bildet traditionsgemäß der Auftritt von „The Pride Of Every Mother In Law“ im Textorium. „Very loud music is good for you“ lautet das Motto der immer noch langhaarigen Kultrocker, die dem Metal und Hardrock nicht abgeneigt sind und vielleicht in diesem Jahr ihr Versprechen einlösen, die Tufa-Kneipe in Schutt und Asche zu spielen.

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