Den Sack nicht zu gemacht

Fünf Spieler der TBB Trier trafen zweistellig. Einer von ihnen war Jermaine Anderson mit 12 Punkten. Foto: Carsten KlugerDer Überraschungscoup war zum Greifen nahe. Eine Minute vor Schluss führte die TBB Trier gegen den Favoriten aus Oldenburg. Doch die Gäste nutzen ihre Chance, der Serbe Nemanja Aleksandrov wurde zum Matchwinner. Da halfen auch die erneuten Topscorer Andreas Seiferth (17 Punkte) und Jermaine Bucknor (16) nichts, Trier unterlag gestern Abend mit 80:82. Selbst Gästecoach Sebastian Machowski mochte “nicht von einem verdienten Sieg sprechen”.

TRIER. Ein echtes Pfund muss die TBB Trier stemmen: Die EWE Baskets Oldenburg kommen in die Arena. Der Tabellenvierte ist zwar vor allem medial ein chronischer Underdog unter den Titelaspiranten, trotzdem gehört sein Kader zum Feinsten, was die Bundesliga zu bieten hat.

Stars wie Rickey Paulding oder Julius Jenkins, der immer wieder Spuren bei seinen Gastauftritten in Trier hinterließ, heute aber wegen muskulärer Probleme ausfällt, sowie Kämpfer und hochklassige Rollenspieler wie Chris Kramer und Ex-Trierer Dru Joyce stellen gegnerische Trainer vor eine riesige Herausforderung. Nach einer kurzen Schwächephase im Dezember legten die Oldenburger eine beeindruckende Konstanz an den Tag.

Sogar Tabellenführer Bayern München konnte zu Hause deklassiert werden (wenn auch die Revanche nicht lange auf sich warten ließ). Und das ohne den seit Saisonbeginn verletzten Center Adam Chubb, der im Vorjahr noch zu den effektivsten Spielern der Liga gehörte.

Nach dem langersehnten Sieg in Vechta mangelt es den Römern aber nicht an Selbstbewusstsein. Auch wenn betont wird, dass dies nur ein erster Schritt in die richtige Richtung war, wird an vergangene Favoritenstürze vor heimischen Fans erinnert. Einer gelang beispielsweise letzte Saison gegen eben jene Oldenburger.

Die Wiederholung versucht Coach Henrik Rödl mit Jermaine Anderson, Laurynas Samenas, Warren Ward, Jermaine Bucknor und Andreas Seiferth in die Wege zu leiten. Den etwas besseren Beginn haben die Oldenburger, die dank zwei Dreiern von Joyce mit 7:2 in die Partie starten. Doch die TBB verunsichert das nicht, im Gegenteil. Krachende Dunks von Seiferth und Bucknor lassen es schnell heiß in der Halle werden.

Speziell der Kanadier zeigt hier sein besonderes Talent als Point Forward. Immer wieder initiiert er die Spielzüge, zieht mal selber zum Korb, bedient die anderen oder versucht es von draußen – er bestimmt das Spiel. Doch Joyce (9 Punkte) und Kramer (8 Punkte und 2 Assists) führen die Huntestädter weiter nach vorne. 25:22 können sie aus ihrer Sicht das Viertel beenden.

Nach der Zwei-Minuten-Pause geht es zunächst etwas verhaltener zu. Die Offensive der Grün-Weißen lahmt, die Wurfauswahl ist fragwürdig. Mit den Einwechslungen von Ward und Samenas soll sich dies aber ändern: Der kanadische Rookie trifft Fadeaways, Dreier, verteilt einen Assist und sammelt Rebounds. Der Litauer verwandelt drei von fünf Distanzwürfen. Die 3.421 Zuschauer stehen auf für ihre Mannschaft.

Auch defensiv läuft es: Joyce sieht man seine Unzufriedenheit über schlecht gelaufene Systeme des Vizemeisters der Vorsaison an. Doch zumindest Kramer bleibt heiß, ihm gelingen bis zur Hälfte 15 Punkte. So geht es fast ausgeglichen mit 45:44 in die Kabine.

Trainer Sebastian Machowski hat seinen Spielern eine klare Marschrichtung mitgegeben: Es soll schneller gespielt werden. Viele Fastbreaks werden gelaufen, was zwar teilweise auch gelingt, aber ein Lauf kann damit nicht gestartet werden. Nach fünf Minuten sind erst zehn Punkte insgesamt gefallen.

Emotionen werden dann ausgerechnet bei einer misslungenen Aktion geweckt: Chris Kramer kann einen Dunking nicht verwandeln, will aber den Foulpfiff, der ausbleibt. Ab dann wird viel gepfiffen – von den Trierer Fans, sobald der US-Amerikaner an den Ball kommt.

Diese Emotionen wissen die Großen von der Mosel wiederum für sich zu nutzen. Der Ball läuft besser, Seiferth, Anderson und Bucknor liefern wieder solide. So geht es mit einer 60:57-Führung ins Schlussviertel.

Dieses beginnt gar nicht nach Rödls Geschmack. Ein 13:2-Lauf der Niedersachsen lässt die Stimmung kippen. Nationalspieler Konrad Wysocki beweist dabei sein Händchen aus der Distanz. Da fällt auch ein völlig indisponierter Rickey Paulding nicht weiter auf. Und wieder einmal ist es die Raumverteidigung der TBB, die Hoffnung aufkeimen lässt. Vier Steals hintereinander bringen die Gastgeber wieder ran, zwei Minuten vor Schluss ist der Ausgleich da. Ein Dreier von Hughes und ein Tip-In von Bucknor lassen sogar einen Vorsprung von drei Punkten entstehen.

Doch nun folgt der Knackpunkt: Jannik Freese vergibt seinen zweiten Freiwurf, den Rebound kann sich Trier aber nicht sichern. Nemanja Aleksandrov fängt den Offensivrebound und netzt mit Foul ein – die Führung. Als wäre das nicht schon hart genug, muss Seiferth wegen seines fünften Foul vom Parkett. Doch die Anhänger der Moselaner stehen wie ein Mann hinter dem Team.

Nun will Anderson für die Wende sorgen. Doch es ist wieder der Serbe Aleksandrov, der mit einem beherzten Block die Hoffnung zunichte macht. Joyce verwandelt einen Freiwurf, Hughes kann im letzten Angriff keinen Wurf mehr loswerden. Somit steht der Endstand 80:82 fest.

Teuer verkauft hat sich die TBB Trier. Trotzdem wäre mehr drin gewesen. Auf der Pressekonferenz sieht man keinen richtig zufriedenen Trainer am Mikro, egal ob Gast oder Gastgeber. Laut Rödl gab es “hängende Köpfe in der Kabine, viele Gelegenheiten wurden ausgelassen”. Dennoch sollte dieses Spiel Mut für die kommenden Aufgaben machen.

Anderson 12; Hughes 11; Ward 12; Samenas 9; Bucknor 16; Seiferth 17; Schmidt 2; Petric 0; Mönninghoff 1; Chikoko 0; Fritzen, Breiling nicht eingesetzt

Joyce 12; Kramer 19; Paulding 4; Smeulders 5; Neumann nicht eingesetzt; Wysocki 11; Bryant 7; Smit 3; Freese 7; Aleksandrov 14

Viertelstände: 22:25; 45:44; 60:57; 80:82

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