TBB mit Überraschungssieg in Ulm

Die Spieler der TBB Trier haben es sich immer zugetraut. Trotzdem wirkt der Auswärtssieg beim hoch gehandelten Gegner Ratiopharm Ulm fast wie eine Sensation. Durch eine starke erste Halbzeit und einem nervenstarken Schlussspurt siegten die Trierer Riesen am Samstagabend mit 84:79 und zogen damit in der Tabelle am Gegner vorbei. Mit 24 Punkten war Warren Ward genauso erfolgreich wie auf Ulmer Seite der deutsche Nationalspieler Per Günther.

ULM. In der Tabelle liegen die beiden Kontrahenten vor der Partie nur drei Plätze entfernt: Ulm auf Platz 9, Trier auf Rang 12. In den Saisonzielen ist die Distanz wohl größer. Ratiopharm Ulm gilt als eine sichere Playoff-Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren zu einem Topteam mit schlagkräftigem Etat entwickelt hat. Bei der TBB lässt sich noch nicht genau sagen, ob sie diese Saison ein Playoff-Kandidat, eine Mittelfeldmannschaft oder doch ein möglicher Abstiegskandidat ist. Letzteres scheint allerdings zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Für Ersteres wäre ein Auswärtssieg in der Stadt an der Donau sehr hilfreich. Die Ulmer werden dagegen nach den Niederlagen gegen Bonn und Braunschweig in der Bundesliga und gegen Valencia im Eurocup vor drei Tagen alles dafür tun, den Anschluss an die Spitzengruppe nicht zu verlieren.

Eine Hiobsnachricht gibt es aus Trier zu vermelden: Mathis Mönninghoff hat einen Bänderriss erlitten, wird also für die nächste Zeit nicht einsatzfähig sein. Nun wird es an Warren Ward und Laurynas Samenas sein, den gut in die Saison gestarteten Flügelspieler zu ersetzen. Mönninghoff ist damit der dritte Rotationsspieler, der verletzt ausfällt.

Trier startet mit Trevon Hughes, Warren Ward, Laurynas Samenas, Vitalis Chikoko und Stefan Schmidt ins Spiel. Und zwar so, wie es niemand vorausgeahnt hätte: 0:11 steht an der Punktetafel geschrieben, allesamt von Ward dorthin gezaubert. Vier Versuche, vier Erfolge, davon drei außerhalb des Halbkreises. Erst Per Günther kann durch einen erfolgreichen Dreier nach 3:25 Minuten die Explosion des Kanadiers stoppen.

Eine weitere positive Geschichte lässt sich vom Neuzugang Marin Petric erzählen: Nach über sieben Minuten kann er sein “richtiges” Debüt im Trikot der Moselstädter feiern – und wie. Ein angenommenes Offensivfoul und ein Dreier bringen wichtige Impulse von der Bank. Wäre nicht so schnell nach etwa der Hälfte des Viertels die Teamfoulgrenze erreicht worden, Trier hätte möglicherweise noch einen größeren Vorsprung aufbauen können. So geht es nach zehn Minuten mit 13:24 in die erste Pause.

Auch danach läuft es erst mal so weiter, wie Coach Henrik Rödl sich das wünscht: Ein 2:8-Lauf gelingt seinen Spielern. Erst Will Clyburn kann durch fünf Punkte die Euphorie der Trierer vorerst bremsen. Doch nach einer Trierer Auszeit ist es erneut Ward, der ebenfalls durch fünf Punkte, zusammen mit Chikoko und Samenas, die Moselaner auf 23:41 davonziehen lässt. Ulm fällt zu diesem Zeitpunkt mit einigen Turnovern auf, sieben Stück sind es insgesamt bis zur Halbzeit. Die Gäste verschenken im Gegenzug nur drei Mal den Ballbesitz. Allerdings können die “Orangenen” das Ergebnis zum Ende hin etwas verschönern, da sie die letzten sechs Punkte im Viertel erzielen, das mit 29:41 endet.

Die vielleicht interessanteste Statistik: Die TBB’ler durften noch nicht ein Mal an die Freiwurflinie. Im Gegensatz zum Gegner, der 15 von 18 Versuchen von dort treffen konnte. Dass Trier trotzdem davonzog, lag vor allem an dessen schwachen Trefferquoten aus dem Spiel heraus: Der Tabellenneunte warf nur 29 Prozent im Zwei-Punkte-Bereich, zudem nur 20 Prozent von der Dreierlinie.

Der Vorsprung schmilzt

In den ersten Minuten der zweiten Hälfte ändert sich zunächst nicht viel. Hughes, Topscorer der Liga, erzielt endlich seinen ersten Korb, kann aber erneut konstant als Vorlagengeber glänzen. Doch nach fünf Minuten folgt der Einbruch: Per Günther und Adam Hess lassen innerhalb von wenigen Minuten einen Regen von “Downtown” los; es ist vor allem der kleine Aufbauspieler, der mit neun Punkten die Führung schmilzen lässt. Erst Jermaine Anderson (zehn Punkte im dritten Viertel) beendet einen 13:0-Lauf bei noch 11 Sekunden vor der letzten Pause. Trier führt nur noch mit 58:55.

Ulm scheint jetzt ernst zu machen, mit hoher Sicherheit können sie ihre Punkteausbeute verbessern. Bei 64:60 sieht es so aus, als habe der Favorit in seine Spur gefunden und werde nun den Heimvorteil nutzen. Doch lassen die Großen von der Mosel die Hausherren nicht mehr einfach davonziehen, antworten immer wieder erfolgreich auf die Aktionen der Domstädter aus dem Süden, es geht hin und her.

Wieder ist es der deutsche Nationalspieler Günther, der die Fäden in der Hand hat. Sein Team ist abhängig von seinen Aktionen. Bei den Gästen wird die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt: Hughes gleicht zum 74:74 aus, Hess macht im Gegenzug nur einen von zwei Freiwürfen rein. Chikoko kann danach ein dickes Ausrufezeichen setzen – durch sein And One geht Trier erneut mit zwei Punkten in Führung.

Durch Freiwürfe von Jermaine Bucknor, Anderson und Ward und den Misserfolgen des Teams von Trainer Thorsten Leibenath aus dem Feld können die Grün-Weißen den Deckel auf den Topf setzen. Heute hat die TBB durch das 79:84 bewiesen, dass sie im Kampf um die Playoff-Plätze ein gewichtiges Wort mitsprechen wollen.

Manuel Maus

TBB Trier: Ward (22), Hughes (4), Schmidt (2), Buntic (n.e), Wenzl (0), Samenas (6), Chikoko (10), Bucknor (13), Anderson (17), Petric (3).

Viertelstände: 13:24; 29:41; 55:58; 79:84

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Tom Müller schreibt:

    Nur weil man einen anderen Playoff-Kandidaten schlägt, heißt es nicht, dass man automatisch um die Playoffs ein gewichtiges Wort mitsprechen kann. Ansonsten müsste man bei einer Niederlage gegen einen Abstiegskandidaten (Vechta) auch direkt von einem möglichen Abstiegskampf sprechen.
    Es ist schon gut, wenn man sich hohe Ziele setzt, die man verwirklichen will, aber das baut auch einen noch größeren Druck auf, als die Spieler ohnehin schon haben; und andererseits ist es sicher auch nicht verkehrt, realistisch zu bleiben, um später nicht zu sehr enttäuscht zu sein. Wenn Trier eine gute Rolle im Mittelfeld der BB-Bundesliga spielt und dem ein oder anderen großen Verein auch mal Paroli bietet (oder mehr), dann ist das doch eine Runde Sache. Wenn es dann doch noch mehr werden sollte, ist die Freude umso größer.
    Demnach eine Bitte von mir: Nicht nach jedem Wochenende die TBB in Berichten hoch- oder runterschreiben. Nach Siegen freuen und Niederlagen hinnehmen.
    Sportliche Grüße
    Thomas

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