“Endlich Nägel mit Köpfen”

In einem gemeinsamen Antrag fast aller Fraktionen wird der Stadtrat aufgefordert, unter anderem den Erhalt des Drei-Sparten-Hauses zu beschließen. Foto: Christian JörickeSo viel Einigkeit bei einem wichtigen Thema herrscht selten unter den Trierer Stadtratsfraktionen. CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FWG und Die Linke verfassten einen gemeinsamen Antrag, den sie gestern Abend im Kulturausschuss vorstellten und der nächste Woche im Rat beschlossen werden soll. Dazu gehört als erster Punkt der Erhalt des Ensembletheaters. Die Mehrheit der Fraktionen will unter allen Bedingungen an einem Drei-Sparten-Haus festhalten. Auch die FDP wäre für dessen Fortbestand, sieht aber “aktuell kein seriöses Finanzierungskonzept”. Das Fraktionsbündnis setzt auf effizientere Strukturen sowie die Unterstützung des Landes und der Landkreise.

TRIER. “Ich bin froh, dass wir als Fraktionen gesagt haben: ‘ In diese Richtung gehen wir'”, sagt Hermann Kleber von der FWG. “Wir haben endlich angefangen, Nägel mit Köpfen zu machen.” Die Richtung, die in einem gemeinsamen Antrag festgehalten wurde, lautet: Die Stadt soll das Drei-Sparten-Ensemble-Theater erhalten. Freilich nicht ohne strukturelle Reformen.

“Ich hatte vor fünf Monaten das Gefühl, alleine in die Schlacht ziehen zu müssen”, erzählt Marc-Bernhard Gleißner (Die Linke) in Bezug auf die damaligen Reaktionen auf die Präsentation des Gutachtens, in dem verschiedene Szenarien bis hin zur kompletten Auflösung der Ensembles vorgestellt wurden. “Es ist ein schöner Konsens, mit dem Gutachten gebrochen zu haben.” Dies trifft nicht ganz zu, da auch manche Punkte wie die Schaffung einer Marketingstelle übernommen wurden.

Ausnahmslos jede Fraktion lobt die Zusammenarbeit in der Diskussion um die Zukunft des Theaters. “Dies gehört zu den positiven Erlebnissen in meiner vierjährigen Ratszeit”, freut sich Markus Nöhl (SPD) über die große Einigkeit über den weiteren Umgang mit der Einrichtung. Schließlich gehe es um die Grundversorgung an kulturellen Leistungen. Das unterstreicht auch Dorothee Bohr von der CDU-Fraktion. “Spartenschließungen bedeuteten den Wegfall des gesamten pädagogischen Angebots und den Verlust der Identifikation des Publikums mit dem Ensemble.”

Dem dürfte Tobias Schneider (FDP) nicht widersprechen. Dennoch stimmte seine Fraktion gegen den entscheidenden Punkt. “Auch wir wünschen uns den Erhalt aller drei Sparten”, so der Liberale. “Aber auch aus diesem Papier geht keine zukunftsfähige Finanzierung des Theaters hervor.”

Die übrigen Fraktionen setzen vor allem auf Einsparungen durch eine neue Rechtsform der Einrichtung, eine finanzielle Beteiligung der Landkreise und eine Anpassung der Landeszuschüsse. Schneider zweifle an einer Unterstützung durch die umliegenden Kreise. Auch in einem möglichen höheren Anteil des Landes sehe er keine dauerhafte Lösung.

Thomas Egger teilt die Zweifel. “Ich bin nicht überzeugt von der Lösung, die gefunden wurde. Die Finanzfrage halte ich für noch nicht beantwortet”, so der Kulturdezernent. “Ich hoffe, wir finden noch eine Antwort.” Er erinnert daran, dass schon seine Vorgänger vergeblich versucht hätten, die Landkreise in die Pflicht zu nehmen. Auch hinsichtlich einer Erhöhung des Landesanteils ist er skeptisch. “Zudem kann es sein, dass wenn wir vom Land mehr erhalten, auch als Stadt mehr leisten müssen.”

Sehr erfreut zeigt sich Egger hingegen über die Zusammenarbeit der Ratsmitglieder. “Diesen Prozess haben sie hervorragend als Fraktionen erledigt.” Der auch an ihn gerichteten Kritik der Christdemokratin Dorothee Bohr an der Dauer der Entscheidungsfindung entgegnet der Beigeordnete damit, dass er sich bewusst mit seiner eigenen Meinung sehr zurückgehalten habe. “Der Prozess war von Anfang an so angelegt. Es war nicht Sinn und Zweck, ihnen Vorschläge zu unterbreiten.”

Diese kommen jetzt von den Fraktionen. Neben dem Erhalt des Ensembletheaters soll der Stadtrat am kommenden Dienstag einen Auftrag an die Verwaltung beschließen, eine Änderung der Rechtsform des Theaters zu überprüfen und bis spätestens März 2014 eine Beschlussvorlage mit Varianten für eine Theatersanierung – inklusive Neubau – zu präsentieren. Zudem soll laut Antrag noch in diesem Monat geprüft werden, welche finanziellen und organisatorischen Folgen eine Struktur mit einem einzelnen Theaterchef mit Managementschwerpunkt und stärker verantwortlichen Spartenleitern hätte. Bis Ende Dezember soll dann die Intendanz ausgeschrieben werden.

Auch an der konzeptionellen Ausrichtung soll gefeilt werden. “Das Theater hat viel vorgelegt”, so Uschi Britz von Bündnis 90/Die Grünen. “Es ist bereit, sich zu öffnen. Es gibt aber noch viel Potenzial.” Egger appelliert daran, das Engagement für die Einrichtung auch bei zukünftigen Haushaltsentscheidungen aufrechtzuhalten: “Dieser Grundkonsens darf kein Lippenbekenntnis sein.”

Weiterer Artikel zum Thema: “Bekenntnisse zum Drei-Sparten-Haus“.

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3 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Raimund Scholzen schreibt:

    Die gut besuchte Veranstaltung in der IHK befasste sich zu schätzungsweise 80 % mit dem Theater. Es war ja auch das Theater, das den ganzen Kulturdiskurs ausgelöst hat. Daher fand ich sehr erstaunlich, daß der Theaterintendant, Herr Weber, nicht mit den anderen Diskutanten auf dem Podium saß. Ich freue mich natürlich über die Initiative der fünf Rathausfraktionen und ihr Bekenntnis zum Ensembletheater als Drei-Sparten-Haus.

  2. Jutta Karbach schreibt:

    Das Theater war durch Dr. Klaus Reeh (Tufa) mit vertreten, denn es hat an dem Positionspapier zum Entwurf der Kulturleitlinien mitgewirkt, ebenso wie VHS, Musikschule, EKA, G.B. Kunst und Exhaus. Dr Reeh hatte sich eingangs als Sprecher dieser Kulturschaffenden vorgestellt. Im Übrigen wurde das Theater durch Diskussionsbeiträge erfreulicherweise sehr unterstützt.

    Ebenso hat die Veranstaltung gezeigt, dass es nicht darum gehen kann, Kulturangebote zu quantifizieren (Wie viel? Zu viel?! Haselbachs zentrale These für seine Polemik). Es geht darum, wie angesichts von hohen Schulden der Kommunen auch die noch als “freiwillige Leistungen” klassifizierten Ausgaben für Kultur finanziert werden können. Die Diskussion hat – ebenso erfreulich – auch gezeigt, dass es außerhalb der Stadtverwaltung Bereitschaft gibt, sich daran zu beteiligen, wenn das Konzept stimmt.

  3. Mihails Gubenko schreibt:

    “welche finanziellen und organisatorischen Folgen eine Struktur mit einem einzelnen Theaterchef mit Managementschwerpunkt und stärker verantwortlichen Spartenleitern…”

    Liegt der besagte Managementschwerpunkt nicht etwa verteilt auf den amtlichen Schultern der Verwaltungsabteilung – so dass deren Funktion für niemanden nachvollziehbar scheint, der nicht selbst darin involviert ist? Wäre diese dann abgeschafft, sobald es einen Manager-Intendanten gibt? Wenn nicht, wozu dann überhaupt ein Intendant mit Managerschwerpunkt? Lässt sich dieser Apparat denn überhaupt effizient managen?

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