“Der Bahnhof Trier ist ebenso wichtig wie andere”

HauptbahnhofFrontEnde 2014 wird die DB AG die Stadt Trier vom Fernverkehr abkoppeln. OB Klaus Jensen bezeichnete den Umgang des bundeseigenen Konzerns mit der Moselstadt jetzt gegenüber 16vor als ein “fortwährendes Ärgernis” und kündigt weiteren Widerstand an. Doch wie wenig man sich in der DB-Führungsetage von Protesten aus Trier beeindrucken lässt, zeigt ein kleiner Rundgang über den Hauptbahnhof. Der präsentiert sich nach wie vor in bescheidenem Zustand, trotz anderslautender Ankündigungen wurde seit Jahren nicht mehr viel investiert. Behinderte Bahnreisende sollen die sanitären Anlagen im benachbarten Alleencenter aufsuchen, der Bahnsteig 12/13 Süd ist seit Wochen eingezäunt. Immerhin: Im kommenden Jahr sollen Teile des Hausbahnsteigs neu überdacht werden. Weitere Entscheidungen lassen derweil auf sich warten.

TRIER. Welche Bedeutung der Trierer Hauptbahnhof denn aus Sicht der Deutschen Bahn AG im direkten Vergleich mit anderen rheinland-pfälzischen Hauptbahnhöfen wie Koblenz und Kaiserslautern habe? Die Antwort des Konzern könnte hoffen lassen, würde man ihr denn Glauben schenken: “Der Hauptbahnhof Trier hat eine ebenso wichtige wie andere Bahnhöfe”, erklärt der Unternehmenssprecher. Dass sowohl in Koblenz als auch in Kaiserslautern und erst recht in Mainz im vergangenen Jahrzehnt Millionenbeträge investiert wurden, derweil sich in Trier kaum etwas zum Besseren veränderte, lässt Zweifel an der Darstellung der Bahn aufkommen.

Dabei sah es zeitweilig danach aus, als würde der zu Beginn der 1950er Jahre errichtete Hauptbahnhof langsam aber sicher auf Vordermann gebracht. Vor rund einem Jahrzehnt ließ die Bahn das Innere des Hauptgebäudes umbauen, erhielt der Bahnhof ein Café, wurde der Zeitschriftenladen deutlich erweitert. Auch bekamen die Bahnsteige endlich Fahrstühle, seither sind die Züge allesamt barrierefreie zu erreichen. 2012 erhielt die Bahnhofshalle im Innern einen neuen farblich Anstrich, allein die vorhanden Wandgemälde mussten ausgespart bleiben, da sie unter Denkmalschutz stehen.

Einen neuen Anstrich könnte indes auch das gesamte Bahnhofsgebäude vertragen, und ein Großteil der Bahnsteigdächer präsentiert sich in einem Zustand, der mit wenig ansehnlich noch nett umschrieben ist. Mehr noch: Seit Wochen finden sich auf dem Bahnsteig an den Gleisen 12 und 13 Nord Bauzäune – zum Schutz vor möglicherweise herabstürzenden Teilen der Überdachung. Ein Bauzaun umgab längere Zeit auch den ehemaligen Expressgut-Schuppen in der Fabrikstraße. “Die Aufstellung eines Schutzzaunes erfolgte aufgrund einer aktuellen Gefährdung durch lose Dachteile. Der Schaden ist behoben und der Zaun wurde entfernt”, teilte die Bahn hierzu mit. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Teile der Überdachungen ausgewechselt und durch moderne ersetzt, weshalb sich der Eindruck aufdrängt, die Bahn betreibe am Trierer Hauptbahnhof vor allem eines – Flickschusterei. Darauf lassen auch vor Jahren aufgestellte Gerüste am Westportal des Empfangsgebäudes schließen.

Bei der Bahn will man von Stillstand und Stückwerk naturgemäß nichts wissen und erklärt stattdessen: “Die bisherigen Planungen müssen entsprechend dem Vermarktungskonzept sowie dem technischen und wirtschaftlichen Bedarf überarbeitet werden”, heißt es auf eine Anfrage von 16vor. Diese Planungen befänden sich nun “in der Umsetzung und sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt sein. Erst dann wird auch das Finanzvolumen ermittelt sein”. Danach sollen Gespräche mit Stadt und Land zur Finanzierung stattfinden. “Von der möglichen Finanzierung hängt der Zeitplan und die konkrete Umsetzung ab”, erklärt die Bahn das weitere Prozedere. Da könnte also noch viel Wasser die Mosel hinabfließen, bis die Bahn sich daran macht, den Hauptbahnhof der viertgrößten Stadt des Landes umfassend zu modernisieren. Entsprechend vage fallen denn auch die Aussagen zu konkreten Vorhaben aus.

HauptbahnhofZaunBeispiel ehemaliger Expressgut-Schuppen im Süden des Hauptbahnhofs: “Derzeit stehen wir in Gesprächen mit der Stadt Trier, um die künftige Gestaltung des Bahnhofumfeldes und die erforderlichen Schnittstellen abzustimmen”, so die Bahn. Hierzu gehöre auch der Expressgut-Schuppen, an dessen Stelle an eine “Entwicklung gemeinsam mit der Stadt gedacht sei. Angedacht sei hier Fahrradparken mit Fahrradstation zu realisieren, aber auch behindertengerechte Sanitäranlagen könnten auf dieser Fläche realisiert werden”. Angedacht? Besagte Fahrradstation hatte eigentlich schon 2011 stehen sollen; 2008 sagte der damalige Mainzer Verkehrsminister der Stadt zu, dass das Land bis zu 85 Prozent der Investitionskosten übernehmen werde. Was die “derzeit” geführten Gespräche angeht: Nach Darstellung des Rathauses werden schon seit Jahren Gespräche mit der Bahn über eine neue Nutzung des Expressgut-Schuppens geführt.

Behindertengerechte Sanitäranlagen sind offenbar ebenfalls nicht so schnell zu erwarten. “Aufgrund des gegebenen Gebäudezuschnittes” sei es “problematisch, die vorhandene Sanitäranlage behindertengerecht herzurichten”. Alternativflächen im Erdgeschossbereich stünden deshalb “derzeit” nicht zur Verfügung, so die Bahn. Daher bestünden eben jene Überlegungen, Toiletten im Bereich der Expressgutfläche einzurichten. Auf die Frage, welche sanitären Anlagen behinderte Menschen denn bis dahin aufsuchen sollten, teilt das Unternehmen mit: “Alternativ können Mobilitätseingeschränke die im Alleencenter vorhandene Sanitäranlage nutzen, die über Aufzüge erreichbar ist. Diese sind in einer Entfernung von rund 50 Metern zum Bahnhof gelegen.”

Allerdings öffnet das Alleencenter noch später als der Hauptbahnhof, und beide Einrichtungen sind ab 22 Uhr komplett dicht. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, wie die Bahn klarstellt: “Die derzeitigen Öffnungszeiten entsprechen dem Reisendenbedarf und sind mit den Pächtern abgestimmt. Eine Anpassung ist derzeit nicht geplant.” Außerhalb der Öffnungszeiten könnten die Fahrgäste die Bahnsteige über die Zugänge am Alleencenter (Südtor) oder am Busbahnhof (Nordtor) erreichen. “Auf die Schließung kann zum Schutz gegen Vandalismus, auch gegen das Eigentum unserer Pächter, leider nicht verzichtet werden”, heißt es bedauernd.

Immerhin eine konkrete Maßnahme kann der Unternehmenssprecher dann aber doch ankündigen: “Nächstes Jahr wird das Bahnsteigdach auf dem Bahnsteig 11 (Hausbahnsteig) von Norden her bis zum Übergang auf den denkmalgeschützten Bereich 11 Süd in Höhe der Bundespolizeiwache abgerissen”, teilte er mit. Anschließend werde vom denkmalgeschützten Bestand an bis in Höhe Nordtor ein neues Bahnsteigdach hergestellt. Bei der Gelegenheit werde man auch die Kundeninformation modernisieren. Eine neue Beschallungsanlage soll kommen, moderne LCD-Anzeiger auf allen Bahnsteigen und in der Bahnhofshalle installiert werden. Bis Ende 2014 wolle man diese Arbeiten abgeschlossen haben, so der Bahnsprecher. Das wäre dann zeitgleich mit der Einstellung des Fernverkehrs von und nach Trier.

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Friedhelm Busche schreibt:

    Nicht nur die Bahn sondern auch der öffentliche Nahverkehr wird in Trier sträflich vernachlässigt. Beide habe hier kaum eine Lobby weil der Trierer auf Grund des niedrigen Spitpreises in Luxemburg lieber “billig” mit dem Auto fährt.

  2. Karin Weber schreibt:

    Klaus Jensen ist jetzt seit etwa 7 Jahren Oberbürgermeister von Trier. Ich finde, es ist ein bisschen spät, wenn sich der Herr jetzt daran erinnert, dass wir in Trier einen Bahnhof brauchen. Da seine Frau Berufspendlerin ist, hätte man auch erwartet, dass die beiden schon eher gemerkt hätten, dass sich bei der Bahn einiges tun muss. Nicht jeder Pendler kann sich seinen eigenen Chauffeur leisten!
    Die rotgrüne Wählerschaft, die Jensen ins Amt gewählt hat, ist jedenfalls bitter enttäuscht von seiner Verkehrspolitik!

  3. Nancy Poser schreibt:

    Dass der Bahnhof in Trier über keine barrierefreie WC-Anlage verfügt, ist eigentlich ein Skandal. Wie erklären Sie einem ortsunkundigen Rollstuhlfahrer, dass er in seinen 20 Minuten Umsteigezeit erstmal eine Toilette in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum suchen soll? Oder dass es schon nach 22 Uhr ist und sich seine Blase deshalb jetzt mal bitte beruhigen soll?

    Das Problem wird besonders deshalb virulent, da je nach Behinderung von vielen Betroffenen die engen Rollstuhl-WCs im Zug nicht genutzt werden können, weshalb Behinderten-WCs am Bahnhof unbedingt erforderlich sind, zumal in einer Großstadt!

    Ein umbaubarer Raum wäre übrigens im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes, direkt neben dem Aufzug, verfügbar.

    Seit über einem Jahrzehnt wird um finanzielle Zuständigkeiten gerangel. Die Stadt sagt, die Bahn muss, die Bahn meint, die Stadt soll. Den Betroffenen ist völlig egal, ob Stadt, Land oder Bahn zahlen muss. Denn – mal Klartext – wenn die Blase drückt, ist das nicht die Frage, über die man gewillt ist, nachzudenken, bevor man sich erleichtern darf!

    Nancy Poser
    Behindertenbeauftragte Trier

  4. phillip trellert schreibt:

    mindestens genauso lächerlich, oder zum weinen, ist es, dass es keine über- oder unterführung zur güterstrasse gibt.
    im “dritt-welt-land” indien ist sowas an jedem provinzbahnhof standard.
    nicht aber in der moselmetropole.
    über die DB könnte ich mich jeden tag schwarz ärgern.
    aber hauptsache, man ist “an der börse” !

  5. V.Clemens schreibt:

    @ Hr. Busche: Selbst wenn wir alle Deutsche Spritpreise zahlen müssten, wäre das Autofahren in Trier immer noch weit billiger als der ÖPNV: Ein Familie, die vom Petrisberg in die Stadt fährt, bezahlt über 10 Euro und ist fast 30 Min unterwegs.

  6. Friedhelm Busche schreibt:

    So sehe ich das auch. Aber wenn das Gefühl verloren geht billiger als der Rest der Nation zu fahren, sieht man sich vielleicht nach alternativen um und setzt sich für einen besseren, günstigeren ÖPNV ein. So setzt man sich nur ins Auto.

  7. Olli Petersen schreibt:

    @ 4m und 5
    Volle Zustimmung, danke!

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