Weihnachtsmarkt ab 2017 unter neuer Regie?

Weihnachtsmarkt2Wird die Ausrichtung des Trierer Weihnachtsmarkts neu ausgeschrieben? Nach Informationen von 16vor sondiert Wirtschaftsdezernent Thomas Egger derzeit bei den Ratsfraktionen, ob der regulär noch bis 2016 laufende Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft Trierer Weihnachtsmarkt gekündigt werden soll. Hinter der Arbeitsgemeinschaft steht die Firma Bruch, die seit 1980 den Budenzauber veranstaltet – nach einhelliger Meinung zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Dass man am Augustinerhof über eine Kündigung des Vertrags nachdenkt, dürfte denn auch andere Gründe haben, darunter ein Fingerzeig des Verwaltungsgerichts. Im Rathaus will man sich derzeit zu den Diskussionen nicht äußern. Sollte es zu einer Ausschreibung kommen, wäre nicht ausgeschlossen, dass der Weihnachtsmarkt ab 2017 unter neuer Regie läuft.

TRIER. Am Samstag geht Anne-Catherine Ferber auf Tour. Mit der Schnellzug-Dampflok 03 2155 wird Deutschlands amtierende Glühweinkönigin zu einer Bahnfahrt rund um Trier aufbrechen. Unter Volldampf wird es dann vom Hauptbahnhof über Konz-Karthaus, den Westen Triers nach Kordel und von dort wieder zurück gehen. Die gut einstündige Dampfzug-Sonderfahrt ist eines der besonderen Events im vorweihnachtlichen Trier.

Nicht ausgeschlossen, dass der Zug da schon abgefahren ist – für Überlegungen innerhalb der Verwaltung, die Ausrichtung des Weihnachtsmarkts auszuschreiben. Heute Abend dürfte der zuständige Dezernatsausschuss bereits eine Vorentscheidung treffen, ob die Stadt den Vertrag mit der Firma Bruch zum Jahresende kündigen wird. Der läuft offiziell noch bis 2016, sieht aber eine zweijährige Kündigungsfrist vor. Wollte die Stadt raus aus dem Vertrag, müsste sie nun handeln. Viel Zeit bleibt nicht, am 19. Dezember tagt der Stadtrat zum letzten Mal in diesem Jahr.

Vergangene Woche informierte der Wirtschafts- und Kulturdezernent deshalb in einem interfraktionellen Gespräch die Vertreter der Ratsfraktionen über sein Vorhaben. Die Sitzung fand nichtöffentlich statt, und dass der Vorgang nun an die Öffentlichkeit gelangt, dürfte der Verwaltung kaum recht sein. Dabei sind ihre Überlegungen absolut legitim. Dass man den Vertrag mit dem bewährten Unternehmen Bruch nicht einfach so weiterlaufen lassen möchte, dafür gibt es durchaus gute Gründe. Denn auch wenn die Koblenzer nach einhelliger Meinung der Verantwortlichen einen guten Job machen und seit 1980 ein verlässlicher Partner sind, gibt es doch Zweifel, ob die Stadt eine Veranstaltung dieser Größenordnung überhaupt noch ohne Ausschreibung vergeben dürfte.

Geäußert hat diese Zweifel im Frühjahr diesen Jahres Richter Georg Schmidt. Im März verhandelte das Trierer Verwaltungsgericht die Klage eines italienischen Unternehmers, der sich seit Jahren vergeblich um einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt bemüht hatte. Also hatte er die Stadt Trier verklagt. Es sollte ein recht kurzer Prozess werden, denn Richter Schmidt erklärte schon nach wenigen Minuten, bei dem Budenzauber handele es sich um keine städtische Veranstaltung, sondern um eine “Spezialmarktveranstaltung eines gewerblichen Anbieters”. Offiziell firmiert dieser Anbieter als Arbeitsgemeinschaft Trierer Weihnachtsmarkt mit Sitz in Andernach, tatsächlich findet sich hinter der “Gemeinschaft” lediglich die Firma Bruch. Angela Bruch ist auch Vorsitzende, nur sie und ihr Unternehmen führen Regie über die vierwöchige Veranstaltung.

Daran hat sich im Wesentlichen nichts geändert, seit der Stadtrat den Bruchs 1980 erstmals die Organisation und Durchführung des Weihnachtsmarktes übertrug. Bis 1986 erfolgte dies per Sondernutzungserlaubnisse durch die Verwaltung, dann schloss man einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Firma Bruch als Veranstalterin. Zuletzt überarbeitet wurde der Vertrag 1992, in seinem Text fand sich eine nicht unwesentliche Neuerung: Demnach verlängert sich die Geltungsdauer seither jeweils um zwei beziehungsweise fünf Jahre, wenn nicht gekündigt wird und zwischen zwei Weihnachtsmärkten vom Veranstalter mindestens 50.000 Euro investiert wurden. “Unter Würdigung der zwischen 2009 und 2010 getätigten höheren Investitionen durch die Veranstalterin läuft der Vertrag jetzt noch bis einschließlich ins Jahr 2016″, erklärte die Stadt 2010 auf Anfrage von 16vor.

Denkbar, dass der Vertrag auch über 2016 hinaus weiterlaufen wird. Doch in der Verwaltung sah man nun den Zeitpunkt dafür gekommen, über eine Ausschreibung des Weihnachtsmarktes nachzudenken, und in der nichtöffentlichen Sitzung verwies man vor allem auf eine Äußerung von Richter Georg Schmidt in der besagten Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht. Die Stadt solle doch im eigenen Interesse prüfen, ob die Ausrichtung eines Weihnachtsmarkts in dieser Größenordnung ein weiteres Mal freihändig vergeben werden dürfe. Schließlich habe der aktuelle Betreiber während der Weihnachtszeit eine Art Monopolstellung und obendrein völlig freie Hand auf Hauptmarkt und Domfreihof. Weder könnte die Stadt, wenn sie denn wollte, Einfluss auf die Auswahl der Standbetreiber nehmen, noch auf die Gebührengestaltung für die Benutzung der Bruch-Buden.

Schmidts Empfehlung war kein Auftrag an die Verwaltung, dies hätte auch seine Kompetenzen überstiegen. Doch der Fingerzeig des Verwaltungsrichters führte dem Vernehmen nach am Augustinerhof dazu, dass man die bisherige Praxis kritisch überdachte und zu der Auffassung gelangte, eine Ausschreibung der Veranstaltung ins Auge zu fassen. An dieser könnte sich auch die Firma Bruch beteiligen. Allerdings müssten sich die Andernacher dann dem Wettbewerb mit anderen potenziellen Veranstaltern stellen. Das wiederum könnte die Position der Stadt stärken. Wie das Presseamt auf Anfrage erklärte, belaufen sich die aktuellen Pachteinnahmen der städtischen Hand inklusive Gebühren auf 32.000 Euro pro Weihnachtsmarkt. Eine Summe, bei der manche noch Luft nach oben sehen.

Doch innerhalb des Rats zeichnet sich nach Informationen von 16vor derzeit keine Mehrheit für eine Kündigung des Vertrags ab. Wie Teilnehmer der interfraktionellen Besprechung übereinstimmend berichten, soll Egger bereits signalisiert haben, dass er die entsprechende Vorlage nur dann in den Stadtrat einbringen werde, wenn diese Aussichten auf Erfolg hätte. Nach seiner Abstimmungsniederlage beim Thema kommunale Geschwindigkeitsbegrenzung will der parteilose Dezernent nicht ein weiteres Mal Schiffbruch erleiden. Sollte der Rat kein grünes Licht für eine Kündigung geben, stünde die Frage im Raum, ob über die Modalitäten des bestehenden Vertrags noch einmal verhandelt werden könnte. Denn von alleine wird die Firma Bruch wohl weder eine höhere Pacht an die Stadt zahlen, noch wird das Unternehmen das Heft des Handelns aus der Hand geben. Würde eine Ausschreibung erst gar nicht mehr zur Debatte stehen, würde das die Stellung des aktuellen Veranstalters weiter festigen und die Bruchs dürften weit über 2017 hinaus Regie auf dem Trierer Weihnachtsmarkt führen.

Die Stadt wollte sich zu den laufenden Diskussionen nicht äußern. Es handele sich um eine “nichtöffentliche Vertragsangelegenheit in nichtöffentlicher Sitzung”, teilte das Presseamt am Dienstagabend mit; “deshalb können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen”.

Lesen Sie auch: Stadt bleibt bei Bruchs Buden außen vor

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. R.Roos schreibt:

    Ich denke, das die Stadt hier ruhig selbst als Veranstalter in Erscheinung treten sollte.
    Selbst wenn man nur die Hälfte der Gerüchteweise genannten Standmieten verlangen würde, wäre das ganze noch rentierlich. Und die Stadt hat wieder ein Bestimmungsrecht und somit die Möglichkeit, örtlichen Beschickern den Vorzug zu geben, die dann auch örtliches Personal einsetzen und ihre Abgaben in der Stadt abführen.
    Ich bin überzeugt davon, das die Trier Geschäftsleute wie Händler, Gastronomen, Metzger, Winzer .A. den Markt genauso gut oder sogar noch besser bedienen können. Konkurrenz belebt ja das Geschäft und setzt Energie frei.
    Leider scheint ja die bis jetzt veranstaltende 1-Frau-Arbeitsgemeinschft bei den zuständigen sehr gut vernetzt zu sein, was ja auch durch die guten geschäftlichen Kontakte zu Familienangehörigen der Trierer Lebensmittelüberwachung bereits nachgewiesen ist.

    P.S. Die Stadt wird diese scheußlichen LED-Eisbären und Deko-Teile doch wohl nicht als Investition ansehen?
    Für 50.000 Euro bauen die Trierer Schreiner und Zimmermänner jedes Jahr neue Buden.

  2. D.Walter schreibt:

    Stadt Trier, als Veranstalter von irgendetwas, und dann auch noch des
    Weihnachtsmarktes, eine grauenhafte Vorstellung.Auch wenn es derzeitig
    bestimmt verbesserungswürdiges gibt, so treibt einem der obige Vorschlag
    den puren Angstschweiß auf die Stirne.
    Möglich, daß es sich um eigene Interessen handelt,oder man für Interessanten
    sich stark macht, aber bitte nicht auf diesem Felde.
    Natürlich strömt bis dahin noch einiges Wasser die Mosel hinab,und wer weiß,
    was das nächste Kommunalwahljahr auch bringt,aber bitte erst einmal beim
    samstägliches Minimarkt üben, der ja gerade zu ein erbärmliches Darsein
    fristet, als sich an den Weihnachtsmarkt zu vergehen.
    Frohes Fest 2013!!!

  3. R.Roos schreibt:

    Ja, D.Walter, die Stadt selbst muss es ja nicht unbedingt sein. Obwohl das Altstadtfest ja seit der Übernahme durch die Stadt jetzt auch nicht untergegangen ist. Mir schweben da eher so Einrichtungen wie die z.B. die Castel GmbH oder eine Wirkliche Arbeitsgemeinschaft aus City Initiative, Tourist Info und HWK. Auf jeden fall ergibt sich jetzt die Chance aus dem Weihnachtsmarkt auch einen wirklichen Trierer Weihnachtsmarkt zu machen. Warum müssen wir uns immer Leute von Außerhalb holen, damit die hier Geld verdienen? warum behalten wir das Geld nicht einfach selbst?
    Dieser samstägliche Minimarkt ist ja eine Farce. Der ist aber ja auch politisch nicht gewollt.

  4. D.Walter schreibt:

    Du meine Güte , was bitte darf ich mir unter “Trierer Weihnachtsmarkt” vorstellen?

    Die Meinung, daß man nicht immer Leute von auswärts holt,kann ich voll und
    ganz unterstützen, wenn ich insbesondere unsere städtische “Führungsriege”
    betrachte,da ist das Geld sehr wahrscheinlich rausgeschmissen, das hätte “Einheimische”
    genau so fabrizieren können, keine Frage.
    Auf der anderen Seite , wer von den von Ihnen genannten Cityinitiative ec. ist Trierer?

    Wenn ich andere Bereiche besonders die sportlichen sehe, TBB, Miezen,von der
    Eintracht garnicht zu sprechen, würden die Ligen in denen man dann rumturnen würde,
    mit nur “Einheimischen” wohl mehr unter Lokalcolorit firmieren.
    Übrigens, bei politische gewollt, oder nicht gewollt, wird mir noch schlechter.

  5. Olli Petersen schreibt:

    Öffentlich ausschreiben, und dann ist gut. Ein schlechteres Ergebnis ist wohl kaum noch zu erzielen. Die Modalitäten und unter welchen Randbedingungen der derzeitige, für die Stadt Trier, lausige Vertrag zustande gekommen ist wurden ja nie richtig hinterfragt, bzw., gab es keine erhellenden Antworten.

  6. Nicole Helbig schreibt:

    Neue Ausschreibung wäre wünschenswert. Einen Markt der monopolistisch orientiert ist, bei dem der Veranstalter selbst alle lukrativen Geschäftsfelder selbst bewirtschaftet, finde ich äußerst fragwürdig. Soweit mir bekannt ist, betreibt der Veranstalter fast alle Essens- und Getränkestände selbst. Man sollte mal ehemalige Aussteller fragen, warum diese ihre Stände nicht mehr betreiben: Reibekuchen, Teestand, Waffelstand, Thüringer Bratwurst….
    Dann sollte man mal Gerdi mit dem bekannten Fischstand auf die Praktiken der Firma Bruch ansprechen. Etwas frischer Wind, mit einem stärkeren regionalen und nachhaltigem Bezug wäre wünschenswert.
    ieso gibt es nicht einen wunderenbaren Moselglühwein in Rot und Weiß, anstatt dieses komische Gemisch? Ist es nicht eine Schande für die Moselmetropole Trier?
    Ich bin gespannt was in Zukunft passiert.

  7. Stefan Hahmann schreibt:

    Unser Weihnachtsmarkt ist schon schön, ein dickes Lob dem Betreiber. Nur leider sind es seit 30 Jahren immer die selben Stände mit immer den selben Angeboten jedes Jahr am selben Standort. Das wird auf Dauer doch etwas langweilig.
    Und bei 90 – 100.000E Kosten aber den 3 – 4-fachen Einnahmen würde ich auch den Ball flach halten. Aber ich gönn das Geschäft demjenigen, der sich dafür ins Zeug legt, so läuft Marktwirtschaft eben mal.
    Außerdem ist nicht gesagt, dass es besser läuft, wenn die Stadt den Weihnachtsmarkt betreibt. Nicht dass dann an jedem zweiten Stand ein Schild hängt: „Dieser Stand ist vorübergehend geschlossen“.
    Dann soll das doch ein privater Betreiber machen bei dem die Stadt sich ein gewisses Mitspracherecht einräumt. Allerdings für eine angemessene Pacht. Wie wär´s mit 150.000E, wenn dafür Stockplatz, Portavorplatz und der Kornmarkt rund um die Eisbahn dazu kommen. Der Bedarf ist sicher vorhanden und natürlich muss das Ambiente überall mindestens so sein, wie es jetzt ist.

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