Wirbel um Skatehalle (Update)

TRIER. Der Umzug der Skatehalle “Projekt X” in eine nicht mehr genutzte Halle der Stadtwerke in der Eurener Straße kommt voraussichtlich nicht zustande, teilt die Stadt mit.

Die Vertreter der Skater haben am Donnerstag gegenüber Oberbürgermeister Klaus Jensen überraschend ihren Rückzug von dem Projekt erklärt, obwohl die Planungen bereits so weit fortgeschritten waren, dass kommende Woche seitens der Stadtwerke der Bauantrag für die Umgestaltung der Immobilie gestellt werden sollte.

Aufgrund seines starken persönlichen Engagements bei der Standortsuche und Finanzierung zeigte sich OB Jensen über die Absage der Betreiber tief betroffen: “Diese Entscheidung war nicht absehbar und ist für mich nicht verständlich.” Es habe im Vorfeld viele Gespräche mit allen Beteiligten gegeben, bei denen seitens der Vertreter des Jugendzentrums nie grundsätzliche Bedenken gegen den Umzug geäußert worden seien.

Jensen war es im September 2013 gelungen, die Veronika- und Herbert-Reh-Stiftung für einen bedeutenden finanziellen Beitrag zu den Umbaukosten von insgesamt 650.000 Euro zu gewinnen. Die frühere Busdepothalle in der Eurener Straße verfüge über eine sehr gute Busanbindung und einen Parkplatz, so SWT-Vorstand Arndt Müller. Die angebotene Nutzfläche von zunächst 1400 Quadratmetern liege deutlich über der vom Projekt X genannten Mindestanforderung von 600 Quadratmetern. “Geplant war, die Halle zu einem Preis von weniger als zwei Euro pro Quadratmeter an das Projekt X zu vermieten, das heißt, wir verzichten auf eine Verdienstmöglichkeit, um dieses für die Stadt wichtige Jugendangebot zu fördern.” Erweiterungsmöglichkeiten in der Halle und auf einer Freifläche seien gegeben.

“Wir haben nach zweijähriger intensiver Suche nach einer geeigneten Halle eine gute Lösung gefunden und den Skatern bei der Gestaltung und Konzeption freie Hand zugesichert. Mehr können wir nicht anbieten. Mein Engagement für dieses Projekt ist damit beendet”, betonte Jensen, der nicht nachvollziehen kann, warum die nicht näher begründeten Bedenken erst zu einem so späten Zeitpunkt geäußert wurden. Zugleich zeigte sich Jensen für weitere Gespräche offen, sollten die Hallenbetreiber um Axel Reichertz ihre Entscheidung noch ändern: “Ich wäre glücklich, wenn die Skater doch noch auf unser Angebot eingehen würden.”

Das “Projekt X” betreibt seit 2009 unter dem Dach des Palais e.V. ein Jugendsport- und Kulturzentrum in einem ehemaligen Supermarkt in der Aachener Straße. Die Nutzung stand stets unter dem Vorbehalt der Stadt als Eigentümerin, das Grundstück mittelfristig zum Zweck des Wohnungsbaus zu veräußern, um den angespannten Trierer Wohnungsmarkt zu entlasten. Der Skatehalle werde nun nicht von heute auf morgen gekündigt, erklärte Jensen, doch sehe er jetzt keine Möglichkeit mehr für eine nochmalige Verlängerung der provisorischen Nutzung.

Update: Alexander Schmitz ist Vorstandsvorsitzender des Skatevereins, der die Halle betreibt. Er sagt: “Nach fast einem Jahr Arbeit waren wir an einem kritischen Punkt, die Stadt hat uns vor die Wahl gestellt: ‘Jetzt oder nie, zu diesen Bedingungen’. Daraufhin haben wir uns gegen das Ultimatum ausgeprochen, nicht aber für einen allgemeinen Planungsstop.”

Von Seiten des Vereins habe man sich etwa wohl bereiterklärt, den Innenausbau der Halle zu planen, nicht aber, ihn mitzufinanzieren. Quasi über Nacht habe die Stadt ihnen ein neues Angebot vorgelegt: Die Halle sollte demnach nur noch hälftig von den Skatern genutzt werden, getrennt von einer Feuerschutzwand, Toiletten und Umkleiden sollten in Container ausgelagert werden. “Das Geld war damit schon verplant – aber eben nicht einmal für eine einzige Rampe.”

Als Oberbürgermeister Klaus Jensen nun darauf pochte, für diese Umsetzung den Bauantrag zu stellen, hätten sich die Skater gemeinschaftlich gegen den Umzug ausgesprochen. “Ich will nicht in der Halle stehen, mich nicht wohlfühlen und dann auch noch ein Minusgeschäft rechtfertigen müssen”, sagt Schmitz. Dass es nun heißt, er und seine Mitstreiter hätten den Umzug überstürzt abgelehnt, sei zu kurz gegriffen. “Es gab immer eine klare planerische Richtung von Seiten der Stadt, die keine anderen Optionen zugelassen hat – etwa ein anderes Finanzierungskonzept mit einem anderen Investor.” Dieser Weg habe aber irgendwann so deutlich an ihrem Ziel vorbeigeführt, dass ein Abbruch des Umzugs zu diesen Bedingungen unumgänglich geworden sei.

Weiterer Artikel zum Thema: “Projekt X: OB gelingt Durchbruch“.

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