Vortrag zu NS-Funktionären

TRIER. “Auf Spurensuche nach NS-Tätern in Trier” lautet der Titel einer Vortragsveranstaltung zu den beiden Trierer Nazi-Funktionären Dr. Harald Turner und Paul Wipper am kommenden Donnerstag in der Volkshochschule.

Beim Gedenken an die Zeit der Hitler-Diktatur in Deutschland geht es zu Recht vorwiegend um die Opfer. Doch auch die Frage nach den Tätern wird immer wieder gestellt. Mit einer Vortragsreihe werden nun Menschen vorgestellt, deren Lebensweg sich mit der Stadt Trier kreuzt und die in besonderer Weise aktiv wurden in diesem “Projekt der Unmenschlichkeit”. Gefragt wird auch, wie sie zur Rechenschaft für ihre Taten gezogen wurden oder ob sie auch nach dem Krieg Karriere machten.

Mit Dr. Harald Turner und Paul Wipper stehen zu Beginn zwei NSDAP-Funktionäre im Mittelpunkt eines Vortrags, zu dem der Arbeitskreis “Trier im Nationalsozialismus der AG Frieden”(AGF) am Donnerstag, 20. März einlädt. Kooperationspartner sind die Volkshochschule der Stadt Trier, die Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz e.V. und die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.

Turner trat 1924 als Verwaltungsbeamter und Anfang der 1930er Jahre als SS-Sturmbannführer in Trier in Erscheinung. Als Chef der Militärverwaltung und hoher SS-Führer ging er ab 1941 mit großer Brutalität gegen Juden und Roma in Serbien vor. Wipper war Aktivist der Hitler-Bewegung in Saarburg und Trier. Nach seiner Ernennung zum Kreisleiter der NSDAP im Bezirk Trier-Land deckte er einen Korruptionsfall innerhalb der Nazi-Partei auf. Jahrzehnte nach dem Krieg wurde er in der Friedensbewegung aktiv. Turner wird vorgestellt von Joachim Hennig, ehemaliger Richter aus Koblenz, Paul Wipper wird porträtiert von Thomas Zuche, Mitarbeiter des Arbeitskreises “Trier im Nationalsozialismus” der AGF.

Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Raum 5 der Volkshochschule Trier, Domfreihof 1b. Der Eintritt ist frei.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Klauspeter Bungert schreibt:

    Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß ich vor zwei Monaten ein Theaterstück abschloß, darin Paul Wipper eine Rolle spielt. Wipper scheint maßgeblich auf meinen Großvater Peter Antz eingewirkt zu haben, sich für die NSDAP zu engagieren. Peter Antz wurde Ende des Krieges selber Kreisleiter, und zwar in Cochem. Ich kann viele Zusammenhänge nur mutmaßen aufgrund weniger innerhalb der Familie kursierender Erzählungen und der in Koblenz einsehbaren Entnazifizierungsakte. Mein Opa – übrigens Vetter des in Ehrang verehrten frommen August Antz – war wie dieser von Haus auf Volksschullehrer, stand anders als August Antz der katholischen Kirche aber fern. Die damals noch geistlichen Schulräte scheinen massiv Druck auf ihn ausgeübt zu haben, statt Evolution den Kreationismus zu unterrichten. Der Freidenker litt erheblich darunter und muß die kirchenfeindliche neue Schulpolitik der Nazis zunächst als regelrechte Befreiung erlebt haben. Nach dem Krieg bekam er den Haß der im Kern katholisch gebliebenen Bevölkerung massiv zu spüren. Wenn ich kann, werde ich den Vortrag besuchen.

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