Warum nicht Dr. Hiltrud Leibe?

Fred Konrad, Wolfram Leibe und Hiltrud Zock bewerben sich um die Nachfolge Klaus Jensens. Fotos: Gianna Niewel und Marcus StölbGemessen an einer OB-Wahl ist die Fußball-WM ein häufiges Ereignis: Alle acht Jahre wählen die Trierer ihren Oberbürgermeister. An diesem Sonntag bewerben sich Fred Konrad, Wolfram Leibe und Hiltrud Zock um die Nachfolge Klaus Jensens. Drei Kandidaten, die un­terschiedlicher nicht sein könnten. Doch selbst unter den jeweiligen Anhängern gibt es Zweifel, ob der eigene Bewerber dem Chefsessel im Rathaus wirklich gewach­sen ist – was auch am schier unerfüllbaren Anforde­rungsprofil des Amtes liegt. Ein Gastbeitrag von Marcus Stölb.

„Damit sich was bewegt“ steht auf Plakaten und auf Flyern – de­nen von Hiltrud Zock. „Damit sich was bewegt“ stand schon ein­mal auf Flyern und auf Aufklebern – denen von Klaus Jensen. Wenn es noch eines Belegs bedurft hätte, dass Kampagnenslo­gans austauschbar sind – die parteilose Kandidatin liefert ihn. Und mit ihr die Partei, die sie ins Rennen geschickt hat: Mit der­selben Parole bestritt die CDU vor wenigen Monaten ihren Kom­munalwahlkampf.

Ein Nachmittag im September: Das Laub der Platanen auf dem Kornmarkt zeigt erste Anzeichen herbstlicher Färbung, die Luft ist rein. Auf Einladung der Lokalzeitung treffen Wolfram Leibe und Hiltrud Zock aufeinander. Grünen-Kandidat Fred Konrad weilt zu diesem Zeitpunkt noch in Ruanda – zu einem huma­nitären Einsatz, von dem sich der Kinderarzt auch durch einen OB-Wahlkampf nicht abhalten ließ. Während viele ihm ob die­ser Prioritätensetzung Respekt zollen, mutmaßen andere schon, Konrad wolle gar nicht OB werden.

Vom Kornmarkt startet ein Stadtrundgang. Rund 30 Menschen nehmen teil: Rats- und Parteimitglieder, Unternehmer, eine De­zernentin und ihr Vorgänger, Journalisten. Kaum mehr als eine Handvoll „normaler“ Wähler ist gekommen – Unentschlossene sind bei solchen Veranstaltungen meist in der Minderheit. Der Tross setzt sich in Bewegung, macht Station am Heuschreck­brunnen, auf dem Viehmarkt, am Hauptmarkt. Die Diskussionen drehen sich um Shoppingcenter und 1-A-Lagen, Werbesatzung und störende Auslagen. Am wichtigsten für den Charme der Ein­kaufsstadt seien aber die kleinen inhabergeführten Fachgeschäf­te, betonen beide Kandidaten unisono.

Hiltrud Zock schwärmt jetzt von einem Event, das wenige Tage zuvor Triers Sternekoch Wolfgang Becker bot: Live-Musik zum Menü, und statt für ein Eintrittsgeld „nur für ein zusätzliches Glas Wein“, berichtet die Kandidatin. Für sie ein „tolles Beispiel“, wie Gastronomie sich im Wettbewerb profilieren kann. Becker schmunzelt, Leibe hört mit verschränkten Armen zu. Ein spöt­tisches Lächeln huscht ihm übers Gesicht. Kaum ist Zock ver­stummt, will er von ihr wissen, welchen Beitrag denn die Stadt in solchen Fällen leisten könne? „Einfach hingehen, Herr Leibe“, kontert die Kandidatin lachend.

Kandidaten von gänzlich unterschiedlichem Naturell

Es ist nicht der einzige Moment an diesem Nachmittag, der offen­bart, von welch unterschiedlichem Naturell die beiden aussichts­reichsten Bewerber um das OB-Amt sind. Während die frohna­türliche Unternehmerin meist gute Stimmung verbreiten möchte und überzeugt scheint, vieles ließe sich mit professioneller Kom­munikation und ein wenig mehr gutem Willen bewerkstelligen, kehrt Leibe den erfahrenen Juristen und Verwaltungsexperten heraus. Wiederholt verweist der ehemalige Chef der Trierer Ar­beitsagentur auf Satzungen und Gesetze, zeigt mögliche Inter­essenskonflikte auf und betont ein ums andere Mal, dass es am Ende immer der Stadtrat sei, der entscheiden müsse.

Will Zock für frischen Wind sorgen, möchte Leibe keine falschen Erwartungen wecken. Vor allem aber will er nicht, dass die Mit­bewerberin mit ihrem aus seiner Sicht naiven Politikverständnis durchkommt. Leibes Problem: Mit bisweilen auch belehrend klingenden Ansagen in Richtung Zock verschärft er das Bild des blassen Bürokraten, dem zwar auch viele Christdemokraten eher zutrauen, einen 1500-Mitarbeiter-Apparat wie den der Stadtver­waltung zu führen, der aber wenig Begeisterung zu entfachen vermag.

Auf diesem Feld versteht sich Zock ohnehin mehr. Man brauche an der Spitze der Verwaltung „keinen Sacharbeiter“, stichelt sie, ein OB müsse vor allem eines mitbringen: „Begeisterung für die­se Stadt“. Die Marketingfrau präsentiert sich als Möglichmache­rin, dass sie viele Akteure aus Wirtschaft, Verbänden und Politik kennt, erleichtert ihr das Geschäft. Ihr Problem: Zwischen Nähe und fehlender Distanz liegt oft nur ein schmaler Grat. Was, wenn die Unterstützer von heute dereinst im Rathaus auf der Mat­te stehen und Sonderbehandlungen wünschen sollten? Würde der „kleine Dienstweg“ dann rasch wieder zur viel befahrenen Schnellstraße?

48 Stunden nach dem Rundgang mit Zock steht Leibe vor der Porta Nigra und wartet auf die Ankunft des Bundespräsidenten. Die Zeit bis dahin nutzt der Kandidat zu einer Plauderei mit Pas­santen. „Wir würden Sie wählen“, sagt plötzlich ein Mitglied der Gruppe. Leibe lächelt verlegen, der gebürtige Südbadener hat eine Handvoll Touristen aus Baden-Baden überzeugt.

Joachim Gauck und Daniela Schadt fahren vor, ebenso die Minis­terpräsidentin und ihr Gatte, der amtierende OB. Applaus bran­det auf, der Präsident schreitet durchs römische Tor, schüttelt Hände. Ein paar Genossen werden nervös, da dreht Gauck auch in ihre Richtung. Leibe eilt zum hohen Gast, stellt sich – schein­bar spontan – neben ihn. Ratsmitglied Rainer Lehnart schießt mit einem Tablet ein „Beweisfoto“: Seht her, der Präsident hat sich für unseren Kandidaten Zeit genommen, soll die Botschaft lauten. Das ist natürlich Quatsch! Gauck weiß nicht, mit wem er sich da ablichten lässt. Dennoch wird der Schnappschuss wenig später auf Facebook kursieren. Eine Gaukelei; wie auch das Foto von Frau Zock mit der Kanzlerin, das suggerieren soll, der mäch­tigsten Frau der Welt (Forbes) sei persönlich daran gelegen, dass die Kandidatin ohne CDU-Parteibuch die Trierer OB-Wahl für sich entscheidet.

Zock im öffentlichen Raum dominierende Kraft

Längst spielt sich der Wahlkampf auch im Internet ab. Leibe und Zock posten unentwegt – auf dass die „Netzgemeinde“ sieht, wie engagiert sie kämpfen. Ob Eurener Kirmes oder Ehranger Markt, Weinfest oder Wochenmarkt – allüberall sind die Kandidaten unterwegs. Doch hört man sich wenige Wochen vor dem Wahltag bei jenen um, die nicht in Sozialen Netzwerken verkehren, fällt das Echo verheerend aus, vor allem für Leibe. „Wolfram, wer?“, fragen dann selbst politisch Interessierte. „Der ist doch schon von morgens bis abends unterwegs“, schallt es aus der SPD zurück, „was soll er noch tun?“ Es klingt ein wenig zerknirscht, wie auch das Lamento eines Genossen: „Außerdem haben wir nicht mal ein Zehntel des Budgets für den Wahlkampf, das die Zock hat“.

Das würde erklären, weshalb Hiltrud Zock im öffentlichen Raum die augenscheinlich dominierende Kraft ist. Ihr Konterfei säumt ganze Straßenzüge, obendrein gibt es sie auch lebensgroß aus Pappe. Die 51-Jährige hat nichts dem Zufall überlassen, doch nicht wenigen wird es schon zu viel. Seit Wochen tourt sie mit einem Elektrofahrzeug durch die Stadt. Amtliches Kennzeichen: TR-OB-2015. Und immer wieder die Botschaft: „Aus Trier. Für Trier. Mit Trier“.

Mit Trier haben es alle Kandidaten, und weil Leibe seit Jahren nach Stuttgart pendelt, kontert er Zocks Startvorteil in Sachen Lokalkolorit geschickt mit der Parole „Zuhause in Trier“. Doch seinen Plakaten fehlt das Plakative, und wo ein Viereck mit „Schlagworten“ wie „offen“ oder „kompetent“ hängt, erschließt sich dem Betrachter erst aus nächster Nähe und nach wiederhol­ter Lektüre, welcher der Kandidaten denn hier gemeint ist. Dass Leibe Favorit ist, behaupten nicht einmal Sozialdemokraten. Sie hoffen auf eine Stichwahl, doch in die möchte auch Fred Konrad ziehen.

Freitagabend in der Volkshochschule. Mehrere Verbände haben zur Diskussion geladen, die drei Protagonisten sind allesamt mit von der Partie. Der Saal ist gut gefüllt, für viele ist es die erste Gelegenheit, alle Bewerber um das OB-Amt gemeinsam zu erle­ben. Vor allem der Grünen-Kandidat hat noch Potenzial in puncto Bekanntheitsgrad, doch für einen vermeintlich Chancenlosen nimmt er die Herausforderung beherzt an. Als Moderator Klaus Greichgauer wissen will, wie denn die Kandidaten zur „Spitz­mühle“ als möglichem Standort der neuen Feuerwache stehen, ist man sich einig: dort nicht! Konrad nutzt die Gelegenheit zu begründen, weshalb aus Sicht vieler Trierer das Gelände nicht be­baut werden darf: Weil der Tempelbezirk eine Frischluftschneise ist und auch der Naherholung dient. „Und weil man durch die Kleingartenanlage hindurch bis zum Goldkäulchen spazieren kann, fast ohne durch Wohnbebauung zu kommen“, ergänzt Konrad. Und das mache die Stadt doch aus – dass man auch vom Zentrum aus rasch zu Fuß ins Grüne gelange.

Konrad als Einziger mit politischer Erfahrung

Konrad wurde in Trier geboren, doch schon seit den 80ern lebt er nicht mehr in der Stadt. Seither trat er hier nicht in Erscheinung, zumindest nicht politisch. Dabei ist der 52-Jährige der einzige im Kandidaten-Trio, der wirklich politische Erfahrung mitbringt – seit 2011 sitzt er im Landtag. Konrad wollte auch schon mal OB werden, allerdings der von Zweibrücken. Das war 1999 und ging gründlich schief: auf 1,8 Prozent kam der Grüne. Da wird es ein Leichtes sein, sich bei dieser Wahl zu verbessern; zumal Trier eine der wenigen wirklichen Hochburgen seiner Partei in Rheinland-Pfalz ist.

Doch sein Einzug in eine Stichwahl, so es denn eine geben soll­te, wäre eine Sensation, und selbst bei seinen Anhängern rechnet niemand ernsthaft damit, dass der humorvolle und schlagfertige Konrad SPD-Mann Leibe aus dem Feld schlagen könnte. Statt­dessen drängt sich im Verlauf der Diskussion der Eindruck auf, eine OB Zock und der Grüne könnten ein gutes Gespann bilden.

Sollte am 28. September die Unionsbewerberin vorne liegen und dennoch eine Stichwahl nötig sein, könnte es auf eine Art Stillhal­te-Absprache hinauslaufen: Die Grünen verzichten auf eine Emp­fehlung zugunsten Leibes, im Gegenzug garantiert die CDU der Partei, ihr im Falle von Zocks Sieg den Bürgermeister-Posten zu belassen, so denn die umstrittene Amtsinhaberin Angelika Birk durch Konrad ersetzt wird.

Es ist dies eine Rechnung mit vielen Unbekannten, und sie ginge nur auf, wenn am Ende nicht doch Wolfram Leibe als erster über die Ziellinie käme. Den 54-Jährigen sollte niemand unterschät­zen, und gerade in Kreisen, die auch Zock nahestehen, hat der ehemalige Chef der Arbeitsagentur ein gutes Standing. An seiner Wirtschaftskompetenz zweifelt niemand, und dass er einen Ver­waltungsapparat führen kann, habe er ja hinreichend bewiesen, sagen seine Unterstützer. Auch habe er in seinen bisherigen Auf­gaben Führungsstärke bewiesen, heißt es. Dass Leibe sich nicht um jeden Preis beliebt machen möchte, beweist er auch in der Volkshochschule: Deutlicher als die anderen stellt er den vom Stadtrat beschlossenen Erhalt der Egbert-Grundschule in Frage. Es könne nicht sein, dass die vorhandenen Mittel nahezu aus­schließlich in die Sanierung einer einzigen Grundschule flössen und die anderen dann leer ausgingen, gibt er zu bedenken. Dass er für solchen Ansagen am Wahltag die Quittung bekommen könnte, ist ihm bewusst. Doch der Applaus im Saal spricht eher dafür, dass Leibes unbequeme Botschaften auch goutiert werden könnten.

OB muss Alleskönner sein

Doch reicht das, um ein Amt wie das des Oberbürgermeisters auszufüllen? Die Frage führt zu einem Dilemma, dem sich alle Anwärter auf den Chefsessel im Rathaus gegenüber sehen – kann ein Mensch auch nur annähernd all jene Fähigkeiten in sich ver­einen, die nötig sind, um den Anforderungen des Amts gerecht zu werden? Ein OB muss als Chef der Verwaltung Führungsstärke zeigen und einen Stadtvorstand leiten, dessen Mitglieder formal nicht weisungsgebunden und aktuell durch die Bank einigerma­ßen eigenwillig und entsprechend betreuungsintensiv sind. Als Vorsitzender des Stadtrats muss er neutral sein und souverän auch fünf- bis sechsstündige Sitzungen leiten können. Ohne den Stadtrat läuft wenig bis gar nichts. Gesucht wird also ein Ma­cher und Moderator. Ein OB muss bei Diamantenen Hochzei­ten ebenso glänzen wie er beim Fassanstich auf dem Altstadtfest überzeugen sollte. Im organisierten Frohsinn namens Fastnacht darf er nicht die Spaßbremse geben und muss doch zugleich die nötige Ernsthaftigkeit mitbringen, um zu ernsten Anlässen an­gemessene Worte zu finden. Obendrein muss ein OB unentwegt Akten studieren und fast wöchentlich in Mainz und Berlin um Zuschüsse feilschen.

Ein Vergleich der letzten beiden Oberbürgermeister zeigt, dass es den perfekten Amtsinhaber gar nicht geben kann. Helmut Schrö­er war ein Macher, gegen den im Rathaus nichts lief und der auch einen Bürgermeister Georg Bernarding einnorden konnte, ob­wohl sich beide in herzlicher Abneigung verbunden waren. Aber Schröer war auch ein schwacher Redner und schlechter Kom­munikator, für wichtige Gruppen und Themen hatte er schlicht keinen Sensor. Mit seiner Amtsführung würde er heute rasch an Grenzen stoßen. Klaus Jensen ist ein glänzender Redner und erstklassiger Repräsentant der Stadt, der gleichermaßen Humor und Ernsthaftigkeit mitbringt. Doch der Sozialdemokrat ist kon­fliktscheu, was für ein politisches Spitzenamt ähnlich hinderlich ist wie die Mehlstauballergie für den Bäcker.

Muss also eine Kombination aus politikerfahrenem Kinderarzt, professioneller PR-Frau und solidem Behördenprofi ran? Für die Stadt wäre es das Beste, doch steht der Name „Dr. Hiltrud Leibe“ am Sonntag nicht auf dem Wahlzettel.

Marcus Stölb

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15 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Manfred Fusenig schreibt:

    Für mich spielt es keine Rolle, wer von den Kandidaten gewählt wird und den Posten bekommt. Weniger als der scheidende OB Jensen kann keiner der 3 tun, denn Jensen war ja schon bei “Nichts” angekommen und hat seine Zeit auf dem Stuhl des Rathauschefs nur abgesessen. Im Prinzip tut mir der Nachfolger Leid, da er eine Stadt und eine Verwaltung in einem miserablen Zustand übernimmt bzw. im Dornröschenschlaf.
    Ich wünsche dem neuen OB und den Bürgern der Stadt, viel Schaffenskraft und Engagement.

  2. Brigitte schreibt:

    Solche öffentlichen Beleidigungen ( Leserbrief M.F.) werden gerne von Menschen ausgesprochen, die selbst nicht im entferntesten Aufgaben ähnlicher Größenordnungen im Dienst für andere Menschen leisten wollen/ können.

    In der Tat wird von einem OB so viel abverlangt, wie in den wenigsten anderen Berufen. Kaum auszuschließen, dass wir jemanden finden/ wählen können, der auf Anhieb allem gerecht würde, was dieses Amt mit sich bringt. Erst recht, wenn es sich um große Persönlichkeiten handelt, die genau diese auch immer wieder hintan stellen müssen. Es wird also jemand gebraucht, der möglichst gut in dieses Amt hineinwachsen kann – und das haben wir bei mindestens zwei der drei Kandidaten…

    Was neben der richtigen Wahl für die Bürger interessant und wichtig sein könnte, wäre eine optimale Wahlvoraussetzung: Ein Amt auf Probe!
    Alle 3 Kandidaten im 3 – 6 Monats-Check – zeitgleich!
    Leider von der Gesetzgebung nicht so vorgegeben – für uns Bürger aber wäre das Ergebnis nach einigen Monaten Arbeit im Rathaus wahrscheinlich deutlich klarer.

    Und so falsch ist es auch nicht, einmal darüber nachzudenken, ob dieses Amt sich nicht auch von 2 verschieden- fähigen Menschen geleitet werden könnte – natürlich auch fürs halbe Gehalt……
    Wenn es ein Erfolg-Team würde, wäre Trier auch hierin wieder einmal Vorreiter für andere Städte – reizvoll, nicht wahr?

  3. Raimund Scholzen schreibt:

    @Manfred Fusenig: Ich finde es schäbig, Klaus Jensens Amtszeit als OB in dieser Form abzuqualifizieren. Als ehemaliger Rathausmitarbeiter von OB Josef Harnisch über Carl-Ludwig Wagner und Felix Zimmermann bis zu Helmut Schröers kenne ich das Rathaus vor allem von innen. Die Zweidrittelmehrheit, mit der Klaus Jensen im Jahr 2006 den OB-Stuhl gewonnen hat (und an der ich mich mit Überzeugung auch beteiligt habe), hat in der Öffentlichkeit eine Erwartungshaltung erweckt, als käme mit ihm eine Erlöserfigur. Dabei traf er zum Amtsantritt 2007 auf eine Verwaltung in der Tradition von Harnisch bis Schröer und auf einen Stadtrat von 2004, dessen Mehtheit ihm mit voller Absicht eine nicht ganz unkomplizierte Baudezernentin in seinen Stadtvorstand wählte. Um es abzukürzen: Auch Obama hätte nicht gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhalten dürfen. Natürlich wähle ich am Sonntag Wolfram Leibe.

  4. Stephan Jäger schreibt:

    @Manfred Fusenig: „Im Prinzip tut mir der Nachfolger Leid, da er eine Stadt und eine Verwaltung in einem miserablen Zustand übernimmt…“

    …und aus eben diesem Grunde konnte einem damals schon Herr Jensen leid tun. Ebenso, wie sich daraus (wenn auch wohl nicht alleine) seine weitgehende „Wirkungslosigkeit“ auf einigen Feldern erklärt, die er sich auf die Fahnen geschrieben hatte.

  5. Rainer Landele schreibt:

    mit freude sah, wer hier auf 16vor doch noch zum thema OB wahl schreibt.
    aber als ich las, konrad könne in einem deal birk ablösen, da wähnte ich mich eher auf den spekulatius seiten von lokalo… absurd…

    ansonsten möchte ich nur bemerken: seit jahrzehnten erlebe ich leute, die meinen, man müsse politik nur besser managen und besser anpreisen. und seit jahrzehnten beobachte ich dann das scheitern dieser großspurigen dampfplauderer, welche politik machen, die politisches gestalten mit motivationseminaren und waschmittelwerbung verwechseln. das beruhigende ist, dass die trägheit eines (verwaltungs-)apparates ja nicht nur negativ ist, sondern das alltägliche geschäft weiter laufen läßt, egal wer gerade an der spitze steht.

  6. Horst Haller schreibt:

    Werter Herr Fusenig, Ihr Beitrag da oben ist grundsätzlich wiederwärtig und ist hochgradig diffamierend.
    Mehr will ich zu so am Schmarrn gar nicht schreiben.

  7. Rüdiger Rauls schreibt:

    Ich wollte nach langer Zeit mal wieder sehen, wer da noch so schreibt auf 16vor. Viele sind nicht mehr geblieben. Und das Niveau ist ja mittlerweile auf einem Stand, wo moralisierende Naivität die Schallmauer der Schmerzgrenze durchbricht (Welchen Beitrag ich meine, sage ich nicht, sonst läuft meiner Gefahr, im Sumpf der political-correctness abzusaufen, geopfert der Angst, jemand Blauäugiges könnte beleidigt sein). Das waren noch Zeiten, als hier die Beiträge Substanz hatten. Das namenlose Gepolter einiger Anonymer war mir lieber als der weichgespülte Politsud auf Erststemesterniveau hier. Naja, so kann man ein gutes Blatt kaputtmachen.
    Aber, Herr SCholzen, nun machen Sie den Jensen mal nicht zum Märtyrer. An der ERwartungshaltung hat er selbst ganz schön gefeilt. Ich kann mich noch erinnern an die glänzenden Spruchblasen, die er abgesondert hatte, und die den EIndruck erweckten, er könne Wasser bergauf laufen lassen. Ähnliches imitiert heute die Zock. Mal sehen, wer nach zwei Jahren merkt, dass er sich bei der Wahl verzockt hat. Aber es gehen ja eh nur noch diejenigen hin, die immer noch nicht gemerkt haben, dass es für den Großteil der Bevölkerung bei den Wahlen nix zu gewinnen gibt: Die Naiv-Ahnungslosen, die nicht aufgeben zu hoffen, dass sich dieses Mal wirklich etwas ändert.
    Herr Landele, sehr erfrischender kluger Beitrag. Respekt. Sie sind für mich einer der wenigen Grünen, vor denen man noch Achtung haben kann. Ihr Grün scheint noch kein Nato-Oliv zu sein.

  8. Stephan Jäger schreibt:

    „Und das Niveau ist ja mittlerweile auf einem Stand, wo moralisierende Naivität die Schallmauer der Schmerzgrenze durchbricht“

    …und inzwischen gottseidank nur noch vierteljährlich grüßt das Murmeltier: Der Gralshüter von „Niveau“ und „sachlicher Diskussion“ kommt ein weiteres Mal über einen vollständig substanzfreien Rundumschlag gegen die anderen Leserbriefschreiber nicht hinaus.

    Oder soll „Aber es gehen ja eh nur noch diejenigen hin, die immer noch nicht gemerkt haben, dass es für den Großteil der Bevölkerung bei den Wahlen nix zu gewinnen gibt“ etwa ein konstruktiver Beitrag zum Diskurs sein?

    Ich geh’ denn mal ganz naiv mein Kreuz machen.

  9. Jürgen Förster schreibt:

    @Brigitte:
    Das ist schon eine amüsante Idee, Proberegieren der 3 Kandidaten – dann eigentlich auch mit 3 Stadtverwaltungen und geklonten Bürgern?
    Aber mal ganz im Ernst: Es gab in einigen Bundesländern Kommunalverfassungen, die der aktuellen Trierer Situation sehr entgegengekommen wären, nämlich die Trennung von Verwaltungsspitze (genannt ‘Stadtdirektor – Idealbesetzung: Wolfram Leibe) und politischer Spitze (Bürgermeister – unbedingt Fred Konrad). Hiltrud Zock hätte ihre Stärken dann noch als Sonderbeauftragte für Stadtmarketing einbringen können – und fertig ist die ideale Verwendung aller drei Kandidaten!
    Man hat jedoch diese Verfassung zugunsten des ‘Ein-OB-für -alles’ – Modelles aufgegeben – aber um die Macht nicht zu groß werden zu lassen, ist dieser OB dann nicht einmal seinen Dezernenten gegenüber weisungsbefugt… – und für alles, was Geld kostet, braucht er ohnehin ein Votum des Stadtrates – der wiederum in gähnend leere Kassen blickt. Daher wird wohl am Ende vor allem eines regieren: die ‘Normative Kraft des Faktischen’.

  10. Wolfgang schreibt:

    Lieber Herr Stölb,

    nochmal zu Egbert: Als in den vergangenen Jahren (Jahrzehnten?!?) das gesamte Geld in den Neu-, Aus- und Umbau diverser Grundschulen und weiterführenden Schulen geflossen ist, scheint kein einziger Pfennig/Cent nach Egbert geflossen zu sein…Auch nicht gerecht!!! Und schon gar nicht verantwortungsbewusst von der Politik. Das war es doch was Sie auf Facebook gefordert haben.

    Aber: Es geht immer noch nur ums Geld, nicht darum, ob die Kinderzahl eine Schule im Trierer Osten rechtfertigt. Ist dies der Fall, dann sollte die Schule saniert werden, bzw. an einem anderen Standort im Osten der Stadt neugebaut werden.

  11. Christoph schreibt:

    Manfred Fusenig schreibt etwas Kritisches und schon wird er “zerrissen”. Das kann es ja auch nicht sein. Auch ich hatte deutlich mehr erwartet von Jensen´s Amzeit, bin aber vor allem von den Dezernenten/-innen mehr als enttäuscht. Was wurde eigentlich aus “Stadt am Fluß”?

    Zur Egbert – Grundschule muss man nicht mehr viel sagen: zu teuer zum sanieren, aber ne gute Lobby haben sie. Und, lieber Wolfgang, natürlich wurde auch Geld in die Schule gesteckt. Absurde Darstellung, nur weil es einen persönlich betrifft.

  12. Manfred Fusenig schreibt:

    Die geringste Wahlbeteiligung bei einer OB-Wahl spricht doch Bände, dass noch mehr Menschen so denken wie ich. Der Posten ist dank eines Herrn Jensen zur Bedeutungslosigkeit verkommen, so dass man keine Notwendigkeit mehr sieht, zur Wahl zu gehen. Auch wenn die Kritiker meiner Kommentare auf dieser Seite dies sicher anders sehen, ich bleibe bei meinem Standpunkt, Jensen hat dieser Stadt und ihren Bürgern nicht gedient, nichts gebracht. Das ist m. E. nach keine Diffamierung, Beleidigung o.ä., sondern angebrachte Kritik.

  13. Karl Meyer schreibt:

    Ein bisschen trauere ich dem scheidenden Herrn Jensen schon hinterher, denn: Was wird nur aus der Stadt, wenn der nächste OB keinen so direkten Draht zur Landeschefin hat? Oh, für bestimmte Viertel ist natürlich immer genug übrig.

  14. Rüdiger Rauls schreibt:

    Keine Angst, Herr Jäger, Sie waren nicht gemeint. An Ihrem Niveau hat sich nichts geändert.

  15. Stephan Jäger schreibt:

    Ich habe es auch nicht auf mich bezogen, Herr Rauls.

    Gleichwohl erschließt sich mir – wie angedeutet – weder der „sachliche“ Beitrag zur Diskussion noch der (Ihrerseits so gerne eingeforderte) Respekt vor der „anderen Meinung“ in Ihrem Kommentar. Oder beabsichtigten Sie, Letzteren mit Formulierungen wie „Schallmauer der Schmerzgrenze“ und „Erstsemesterniveau“ zum Ausdruck zu bringen?

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