“Wir sind durchaus in der Lage, zu helfen”

FotoSchon in wenigen Wochen sollen in der General-von-Seidel-Kaserne im Stadtteil Euren Schlafplätze für 150 Asylsuchende bereitstehen. Das teilten Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) und der Leiter der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA), Wolfgang Bauer, am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit. Nötig sind die zusätzlichen Kapazitäten, weil die bestehende AfA in der Dasbachstraße seit Wochen überbelegt ist und ein Erweiterungsbau in Ingelheim nach derzeitigem Stand der Dinge erst gegen Ende des kommenden Jahres fertiggestellt sein wird. Länger als bis Ende 2014 werde das Ausweichquartier in der Seidel-Kaserne nicht benötigt, versicherte AfA-Leiter Bauer. Und Kaes-Torchiani betonte, die Stadt sei “durchaus in der Lage und auch bereit, diesen Menschen Hilfestellung zu geben”.

TRIER. Vor wenigen Tagen telefonierte Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) mit der Mainzer Integrationsministerin Irene Alt (B90/Die Grünen). Man vereinbarte ein Gespräch über die gemeinsame Suche nach einem Ausweichquartier für die Aufnahme von Flüchtlingen. Zuvor waren bereits Pläne publik geworden, denen zufolge das Ministerium die General-von-Seidel-Kaserne als Standort ins Auge gefasst hatte. Die Stadt habe hierzu “Bedenken geäußert”, ließ das Presseamt verlauten, man halte den Standort der General-von-Seidel-Kaserne schlicht für “ungeeignet”. Am gestrigen Donnerstag nun teilte die Baudezernentin mit, das besagte Kaserne nun doch als Ausweichquartier geprüft werden soll.

Man sei anfangs davon ausgegangen, dass in der Kaserne auch Familien mit Kindern untergebracht werden sollten, erklärte Kaes-Torchiani gestern, weshalb sich der Stadtvorstand nun doch mit dem Standort einverstanden erklärte. “Für traumatisierte Kinder wäre das kein geeigneter Standort”, betonte die Dezernentin und machte auch deutlich, dass man sich im Rathaus nur unter der Bedingung auf die Kaserne als Ausweichquartier eingelassen habe, dass dort ausschließlich Einzelpersonen untergebracht werden.

Wolfgang Bauer hofft nun, dass die Gebäude schon in zwei bis drei Wochen derart hergerichtet sein werden, dass rund 150 Menschen dort untergebracht werden können. Der AfA-Leiter weiß, dass dies ein ambitionierter Zeitplan ist, zumal es noch eine Reihe von Unwägbarkeiten gibt. So muss der aktuelle Eigentümer der Kaserne, die bundeseigene BIMA, erst einmal ihr Einverständnis erklären. Dass dieses kommen wird, daran zweifelt in Mainz und Trier aber niemand. Doch zudem muss voraussichtlich die gesamte Heizungsinstallation und auch die Wasserversorgung in den seit einigen Jahren leerstehenden Mannschaftsgebäuden auf Vordermann gebracht werden. Wie viel das kosten wird und wie schnell sich die Maßnahmen umsetzen lassen, ist bis dato noch ungeklärt. Nur an der Stadt soll es nicht scheitern, unterstrich die Baudezernentin; die Stadt wolle im Rahmen eines Zustimmungsverfahren auf Basis der Landesbauordnung rasch Rechtssicherheit schaffen, kündigte sie an.

Viel Zeit können sich die Verantwortlichen auch nicht lassen. Denn die laut Ministerium 844 Plätze zählende AfA in Trier-Nord platzt längst aus allen Nähten. Bauer spricht zwar von rund 700 Menschen, die dort untergebracht sind, aber mehr Flüchtlinge in den Gebäuden in der Dasbachstraße würden nach seiner Einschätzung Probleme für das Quartier nach sich ziehen. Deshalb brauche es das Ausweichquartier. Denn auch wenn an diesem Donnerstag wieder rund 100 Asylbegehrende die AfA verließen, weil sie auf die Kommunen verteilt wurden, kommen jeden Tag etwa 50 neue Flüchtlinge in Trier an. “Wir sind innerhalb einer Woche immer wieder voll belegt”, beschreibt Bauer die aktuelle Lage; die meisten Asylbegehrenden kommen derzeit aus Ägypten, darunter sehr viele männliche Einzelpersonen. Ein Teil von ihnen soll nun künftig in Euren unterkommen. Rund sechs Wochen sind die Flüchtlinge im Rahmen der Erstaufnahme in Trier, dann werden sie auf die Gemeinden im Land verteilt.

Die Kapazitäten der AfA reichten trotz des Aufstellens von inzwischen 36 Wohncontainern auf dem AfA-Gelände in Trier und trotz der Inbetriebnahme einer AfA-Außenstelle in Ingelheim im Juni 2013 kaum aus, so Bauer. Deshalb setze das Land am Standort Ingelheim derzeit ungenutzte Gebäude in Stand, diese Arbeiten würden voraussichtlich bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Die Belegung der Seidel-Kaserne werde nur vorübergehend bis zum Abschluss der Bauarbeiten in Ingelheim dauern, erklärten Kaes-Torchiani und Bauer. Auf die Frage, wie sicher denn sei, dass die Arbeiten in Ingelheim tatsächlich bis Ende 2014 abgeschlossen sind, sagte Bauer: “Ganz sicher”.

Die Verantwortlichen in Mainz und Trier halten die nun ins Auge gefasste Lösung jedenfalls für optimal: “Damit können wir auch in Zukunft trotz steigender Flüchtlingszahlen die zu uns kommenden Asylsuchenden in unserer Erstaufnahmeeinrichtung menschenwürdig unterbringen. Für die AfA Trier bedeutet diese Perspektive eine erhebliche Entlastung“, erklärte Integrationsministerin Irene Alt am Donnerstag in Mainz. Und OB Klaus Jensen sagte: “Ich bin sehr froh, dass wir zusammen mit dem Land zu einer guten Lösung gekommen sind. Sie ermöglicht eine Entspannung hinsichtlich der Unterbringungssituation und erlaubt es gleichzeitig, die hiesige gute Infrastruktur zur Aufnahme von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern auch weiterhin zu nutzen”.  Mit der Vereinbarung werde ein wichtiger Beitrag geleistet, gemeinsam Verantwortung gegenüber den individuellen Schicksalen der Flüchtlinge zu übernehmen. Ähnlich äußerte sich Kaes-Torchiani: “Auch eine Stadt wie Trier ist durchaus in der Lage und wir sind auch bereit dazu, den Menschen eine Hilfestellung zu geben”.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. S. Wiltschek schreibt:

    Na also,

    das liest sich doch ausgesprochen gut.

    Als ehemaliger EloKa-Mitarbeiter habe ich genau in jener GvS-Kaserne im Rechenzentrum gearbeitet und weiss, dass kurz vor der Schliessung der gesamte Küchen und Kantinenbereich erweitert und für viel Geld ausgebaut wurde. Das ist vom feinsten was da rumsteht. Sporthalle steht auch zu Verfügung, was will man mehr.

    Es hat mich eh’ schon die ganze Zeit gewundert, warum die ganzen Liegenschaften der ehemaligen Teilstreitkräfte nicht für solche Belange genutzt werden.

    Das ist doch mal sinnvoll und wenn wirklich bis Ende 2014 keine Flüchtlinge oder Asylanten oder andere arme Menschen, die Ihre Heimat verloren haben, die GvS-Kaserne nutzen müssen, weil Ingelheim bezugsfertig ist, hätte ich da einen Vorschlag.

    In der hiesigen Musikszene werden händeringend Proberäume gesucht.
    Die Bunker in und um Trier haben schon lange Ihre Belastungs- und Belegungsgrenze erreicht. Wenn man bedenkt wieviele junge Menschen, wie z.B. die ganzen musikinteressierten Studierenden versuchen an adäquate Proberäume zu gelangen….

    Das wäre doch auch mal ein Zeichen und/oder Signal der Stadt Trier oder des Landes an die Jugend und würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen enormen Schub in der regionalen Musikszene bewirken.

    Vielleich können Verantwortliche der Trierer Jazz and Rockschool oder der Modern Music School an dieser Stelle diesen Notstand bestätigen.

    tschuess denn

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