“Wir sind die Politiker von morgen”

NinaRegenhardtKleinIm ersten Trierer Jugendparlament war sie die Vize-Chefin, dann trat Nina Regenhardt die Nachfolge Louis-Philipp Langs an und wurde Vorsitzende des zweiten JuPa. Die HGT-Schülerin hat sich für die laufende Wahlperiode einiges vorgenommen. In zwei Jahren, so ihr erklärtes Ziel, soll jeder Trierer Schüler wissen, dass es das Jugendparlament gibt und was dieses leistet. Im Gespräch mit 16vor-Redaktionsleiter Marcus Stölb nennt Nina Regenhardt die Schwerpunkte ihrer Arbeit und spricht über mögliche Gründe für den Mangel an Kandidaten für das JuPa. Außerdem erklärt sie, weshalb in ihren Reihen die Forderung nach einer neuen Eishalle laut wird, warum für sie ein Parteieintritt derzeit kein Thema ist und was sie an dem früheren Bundeskanzler Willy Brandt schätzt. “Wir sind das Sprachrohr der Jugend, und nicht irgendeiner Partei”, betont die 16-Jährige.

16vor: Frau Regenhardt, zugegeben, die Frage ist nicht sehr originell, aber vielleicht können Sie ja origineller antworten als ich fragen: Inwiefern interessieren sich Ihre Mitschüler denn noch für Politik?

Nina Regenhardt: Natürlich ist da eine gewisse Politikverdrossenheit, das lässt sich nicht leugnen. Aber wenn ich von meiner Arbeit im Jugendparlament erzähle, dann ist es schon so, dass sich meine Mitschüler dafür interessieren. Und es gibt auch einige, die sich regelmäßig informieren und täglich Zeitung lesen oder Nachrichten schauen.

16vor: Woher rührt denn Ihr persönliches Interesse an Politik?

Nina Regenhardt: Bei mir war es so, dass ich im Grundschulalter immer die Nachrichtensendung “Logo” auf KiKa geschaut habe. Da kam bei mir schnell ein Interesse für Politik auf, fast schon automatisch. Seit ich auf dem Gymnasium bin, lese ich morgens die Zeitung und gucke abends die Tagesschau. Wenn ich im Urlaub bin und länger keine Nachrichten mehr gehört oder gelesen habe, verspüre ich schon so einen Drang zu wissen: Was ist eigentlich los in der Welt? Ich will eben über den Tellerrand hinausblicken.

16vor: Und dann sind Sie aktiv geworden…

Nina Regenhardt: Als ich vom Jugendparlament erfuhr, fand ich das spannend. Denn wir dürfen zwar bei vielen Dingen nicht wirklich entscheiden, weil wir noch zu jung sind. Aber wir dürfen mitgestalten und man hört sich unsere Ideen und Argumente an, unsere Arbeit hat sichtbare Erfolge. Wir Jugendlichen sind die Politiker von morgen, und wir können schon heute Visionen und Ideen entwickeln und mit einbringen. Mich motiviert das!

16vor: Woran machen Sie denn konkret fest, dass die Interessen der Trierer Jugendlichen seit Schaffung dieses Gremiums von der Verwaltung und dem Stadtrat ernster genommen werden?

Nina Regenhardt: Zum Beispiel an unseren Vertretern im Schulträgerausschuss und im Jugendhilfeausschuss. Da diskutieren wir mit den dortigen Politikern mit. Als es um das Schulentwicklungskonzept ging, arbeitete unsere damalige Arbeitsgruppe Schule und Sport ein eigenes Positionspapier aus. Da war der Respekt im Rat schon sehr groß, dass wir uns in das sehr komplexe Konzept so eingearbeitet hatten. Oder zum Beispiel beim Thema Weiberfastnacht: Da haben wir mit am runden Tisch gesessen und haben mitbestimmt, wie dieser Tag aussehen soll.

16vor: Beim Thema Schulentwicklungskonzept hatte das Jugendparlament damals mehr Mut von den Ratsmitgliedern eingefordert. Das hat nicht allen gepasst.

Nina Regenhardt: Es hat herbe Diskussionen gegeben und wir haben Sachen gesagt, die nicht allen gepasst haben. Das stimmt!

16vor: Wie gehen Sie denn mit dieser Erfahrung um? Dass Sie Widerspruch ernten und kritisiert werden?

Nina Regenhardt: Das ist eine Sache der Reflexion. Ich bin jemand, der auch von sich aus stark reflektiert. Aber hier hilft auch die Arbeit im Jugendparlament, denn hier lernt man, sich in möglichst viele Standpunkte hinein zu versetzen und diese zu bedenken, also zu reflektieren und sich dann eine Meinung zu bilden.

16vor: Vor zwei Jahren wurde in Trier erstmals ein Jugendparlament gewählt, die Beteiligung war damals beachtlich. Dann fehlten am Ende ausreichend Kandidaten, um eine zweite JuPa-Wahl durchzuführen. Haben Sie denn inzwischen eine Erklärung dafür, dass sich nicht ausreichend Bewerber fanden?

Nina Regenhardt: Es lag sicherlich sehr an unserer Öffentlichkeitsarbeit, da hätten wir in den ersten beiden Jahren mehr tun müssen. Das wird deshalb ein Schwerpunkt der nächsten Monate sein. Denn beim letzten Mal war es so, dass das mediale Interesse für die Arbeit während der zwei Jahre eher abnahm, und das darf eigentlich nicht sein. Wir haben jetzt eine Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit, eine neue Homepage, wir haben unseren Facebook-Auftritt verbessert. Dadurch erreichen wir stärker die Jugendlichen. Wir wollen auch dafür sorgen, dass es in jeder Schule einen Ansprechpartner für das JuPa gibt. Ich will, dass in zwei Jahren alle wissen, dass es das Jugendparlament gibt und dass es attraktiv ist, sich dort zu engagieren. Politik ist nicht langweilig, sondern macht Spaß und ist spannend! Wir können mitbestimmen!

16vor: Im Mai stehen Kommunalwahlen an. Glauben Sie, wenn das Wahlalter auf 16 gesenkt würde, würden viele der neuen Wahlberechtigten davon Gebrauch machen?

Nina Regenhard: Ich persönlich fände es gut, wenn das Wahlalter gesenkt würde. Aber ich glaube auch, dann müsste auch mehr darüber informiert werden – von Medien und Politik und im Sozialkundeunterricht. Sonst würden sich wahrscheinlich nur diejenigen beteiligen, die sich ohnehin schon für Politik interessieren.

16vor: In der konstituierenden Sitzung des zweiten Jugendparlaments wurde unter anderem die Forderung nach einer neuen Eishalle laut. Für die fehlte der Stadt das Geld und irgendwie drang die Lobby seinerzeit nicht durch. Weshalb wollen Sie das Thema nun wieder auf die Agenda setzen?

Nina Regenhardt: Wir wissen von vielen Jugendlichen, dass für sie die Eislaufhalle in Bitburg zu weit weg ist und ihnen eine solche Halle in Trier fehlt. Die Eisfläche auf dem Kornmarkt ist zwar schön und gut, aber sie ist zu klein.

16vor: Fordert das Jugendparlament denn nun die Wiederbelebung der Eishalle?

Nina Regenhardt: Wir sind noch ganz am Anfang der Überlegungen. Vielleicht wird es diese Forderung geben, aber ich kann Ihnen das jetzt noch nicht sagen. Da brauchen wir noch fundierte Informationen und Argumente.

16vor: Wo sehen Sie denn, neben der Öffentlichkeitsarbeit, Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Welche Themen wollen Sie in den kommenden Monaten voranbringen?

Nina Regenhardt: Wir wollen den JuPa-Cup fortführen, dieses Mal vielleicht mit anderen Sportarten, zum Beispiel Hockey oder Badminton. Es gibt außerdem die Idee eines Spendenlaufs für einen lokalen Träger, der sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert. Außerdem gibt es die Idee für ein Open-Air-Konzert mit Jugendbands aus Trier. Und dann wollen wir eine JuPa-Ehrennadel verleihen, zum Beispiel für ehemalige, besonders engagierte Mitglieder des Jugendparlaments oder einen Schülersprecher, der sich besonders eingesetzt hat. Demnächst haben wir auch ein Treffen wegen des Mobilitätskonzepts. Da wollen wir überlegen, wie wir Jugendliche uns in die Umsetzung des Konzepts mit einbringen können.

16vor: Sie sind Schülerin am HGT, das vor ein paar Jahren bundesweit für Schlagzeilen sorgte, weil die Schule umbenannt wurde. Wie stehen Sie denn zu der Forderung, auch die Hindenburgstraße umzubenennen?

Nina Regenhardt: Ich persönlich bin der Meinung, dass man diese auch umbenennen sollte. Man hat sich bei der Schule aus guten Gründen gegen den Namen Hindenburg entschieden, und dieselben Argumente taugen doch auch für die Straße. Wir leben in einer guten Demokratie, da muss eine Straße nicht mehr Hindenburgstraße heißen.

16vor: Ihr Vorgänger als JuPa-Vorsitzender ist parteipolitisch aktiv und kandidiert nun für den Stadtrat, einige Mitglieder des Jugendparlaments gehören ebenfalls Parteien an. Bleibt es dabei, dass Parteipolitik im JuPa keine Rolle spielen darf?

Nina Regenhardt: Auf jeden Fall! Ich selbst bin nicht Mitglied einer Partei und werde es auch nicht. Wir sind das Sprachrohr der Jugend, und nicht von irgendeiner Partei!

16vor: Ist denn ein Parteieintritt für Sie undenkbar?

Nina Regenhardt: Nein, gar nicht. Er ist sogar eher wahrscheinlich. Aber solange ich Vorsitzende des Jugendparlaments bin, werde ich keiner Partei beitreten – das würde gegen meine Prinzipien verstoßen. Ich bin als Parteilose für das Jugendparlament angetreten, da kann ich jetzt nicht einer Partei antreten – das fände ich nicht okay.

16vor: Gibt es denn einen deutschen Politiker, der Sie besonders beeindruckt?

Nina Regenhardt: Ja, Willy Brandt!

16vor: Der war schon tot, als Sie noch nicht auf der Welt waren…

Nina Regenhardt: Das stimmt, aber im letzten Jahr wurde sehr viel über ihn berichtet, weil er da seinen 100. Geburtstag gehabt hätte. Ich finde, er hat sehr viel verändert und unter den deutschen Politikern sticht er doch heraus, denn meiner Meinung nach hatte er ein anderes Politikverständnis als alle anderen vor ihm.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Rainer Landele schreibt:

    das wichtigste, menschlichste symbol eines deutschen politikers nach 1945.

    http://www.youtube.com/watch?v=QTHft_6HjpA&t=49

    ein christlicher akt, da er um verzeihung bittet, aber nicht um vergessen.

    beim kniefall “nur” ein symbol, doch politisch umgesetzt in den ostverträgen, welche die entscheidenden schritte für versöhnung und frieden in europa waren. weshalb der friedensnobelpreis vollkommen berechtigt war.

    doch in deutschland bespukt und bis zum höchsten deutschen gericht verklagt von den parteien, die das wort christlich in ihren namen führen. bis heute nicht als historischer fehler von ihnen eingestanden – eine schande!

    willy brandt war der größte deutsche bundeskanzler. aber, ich gebe es zu: dahinter gleich adenauer. :-)

    man würde sich wünschen, heutige politiker hätten solch ein format – aber nein, nur noch manager und verwaltungsbeamte ohne visionen.

  2. Rainer Landele schreibt:

    noch klarer hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=c7mDSl2-Nh8&t=658

    der kommentar von walter scheel und marcel reich-ranicki machen es deutlich.

    willy brandt? nicht das schlechteste deutsche vorbild.

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