“Wir sind durchaus an Trier interessiert”

Am verkaufsoffenen “Mantelsonntag” werden Triers Einzelhändler einmal mehr versuchen, die Stadt als großregionales Einkaufsparadies zu präsentieren. Die City-Initiative hofft auf einen Ansturm von Konsumtouristen aus Hunsrück, Eifel, Luxemburg und dem Saarland. Viele Besucher werden die zahlreichen inhabergeführten Geschäfte vor Ort schätzen, doch fällt auch auf: Obwohl Trier mit seiner beachtlichen Einzelhandelszentralität zu den beliebtesten Shopping-Städten im Lande zählt, meiden namhafte Filialisten wie Kentucky Fried Chicken (KFC), Starbucks oder Peek & Cloppenburg bislang den Standort. Dabei signalisieren sie durchaus Interesse an Trier, alleine es fehlten die passenden Flächen. Unternehmen wie der Schuh-Filialist Görtz sondieren weiter den Markt, auch den für Immobilien.

TRIER. Ein Streifzug vorbei an den Geschäften in Fleisch-, Brot- und Simeonstraße macht deutlich: Der Trierer Einzelhandel setzt mehr auf Individualität und Vielfalt denn auf Masse. Das zeigt sich auch daran, dass – Stand 2010 – immerhin 55 Prozent der Einzelhandelsbetriebe mittelständische, nicht filialisierte Fachgeschäfte waren. Ob Trier in dieser Beziehung noch lange gegen andere Städte in der Nachbarschaft bestehen kann, wird sich wohl schon in den kommenden Jahren zeigen. Zwar sind eine Reihe bundes- oder sogar weltweit operierender Unternehmen wie Galeria Kaufhof, Karstadt, H&M oder McDonalds schon seit Jahren und Jahrzehnten vor Ort präsent, doch Ketten, die derzeit in ganz Deutschland expandieren, haben den Trierer Markt offenbar noch nicht für sich entdeckt.

Während etwa die Gebäckwaren- und Kaffeekette Dunkin Donuts angibt, derzeit vornehmlich in Städten mit mehr als 150.000 Einwohnern expandieren zu wollen, spricht sich der Schuhhersteller Görtz, der bereits 2010 eine Filiale in der City plante, weiterhin klar für den Standort Trier mit seiner attraktiven Innenstadt aus. Nach eigener Darstellung fand das Unternehmen jedoch bislang keine passende Immobilie – ein Problem, das Görtz mit anderen teilt. Auch vonseiten der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken erklärt man auf Anfrage: “KFC ist durchaus an einer Filiale in Trier interessiert, allerdings konnte bisher weder ein geeigneter Standort noch ein Franchisenehmer gefunden werden”.

Einzelhandelsflächen in der Fußgängerzone scheinen rar zu sein. “In den 1A Lagen gibt es derzeit sehr wenige Leerstände, da sofort Nachmieter einsteigen”, berichtet Ralf Frühauf vom städtischen Presseamt. “In den Randlagen kommen Ladenleerstände zwar vor, bilden aber noch kein großes Problem.” Auch die vor vier Jahren eröffnete “Trier Galerie” mit ihren rund 70 Läden verzeichnet derzeit keine Leerstände, und anders als von nicht wenigen und auch von 16vor erwartet, sorgt die Shopping-Passage bislang auch nicht für Leerstände in anderen Teilen der Fußgängerzone.

Unternehmen wie KFC stellen meist ganz bestimmte Kriterien an ihre Ladenlokale, was die Suche nach diesen entsprechend schwierig gestaltet. Doch während eine Filiale bei den Großen der Branche schon mal an Details wie der Frontseite des Geschäfts scheitert, sind es bei kleinen bis mittelständischen Unternehmen oft die hohen Innenstadtmieten oder horrende Maklerkautionen. Der Textil-Riese Peek & Cloppenburg hingegen spielt in einer Liga, in der Maklerkautionen nicht mehr den Ausschlag geben werden. Ob Koblenz, Kaiserslautern, Mainz oder Ludwigshafen – in allen vier anderen Großstädten von Rheinland-Pfalz ist das Unternehmen vertreten, nur in Trier glänzen die Düsseldorfer mit Abwesenheit; und geben sich auf Anfrage gegenüber 16vor wortkarg: “Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir unsere Geschäftspolitik nicht nach außen kommunizieren”. Branchenkenner sagen, für Peek & Cloppenburg fehle schlicht eine ausreichend dimensionierte Ladenfläche. Hätte sich die in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Warenhauskette vom Standort Trier verabschiedet, wäre P&C wohl auf den Plan getreten, mutmaßen Insider.

ECE weiter an Standort interessiert?

Doch Unternehmen wie P&C fungieren mitunter auch als Ankermieter für Passagen, wie sie der Projektentwickler ECE europaweit errichtet. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Branchenriese, der rund 140 Shoppingcenter betreibt, sondiere weiter den Trierer Markt und fühle gelegentlich im Rathaus vor. Ratsmitglieder berichten jedenfalls, sie bekämen regelmäßig Post von ECE. Im Mai hatte das Unternehmen auf Anfrage erklärt, dass man Trier “für eine interessante Stadt” halte (wir berichteten)

Interessant wäre zu erfahren, woran die für März diesen Jahres geplante Eröffnung eines Vapiano-Restaurants im alten Central-Hotel in der Sichelstraße gescheitert ist. Eigentlich hatte die Kette schon 2010 an die Mosel kommen wollen, und auch eine Immobilie schien gefunden. Doch auf der Baustelle unweit des Rindertanzplatzes tut sich seit Monaten nichts mehr, offenbar hat Bauherr Johannes Friedrich seine Pläne auf Eis gelegt. Eine Presseanfrage von 16vor ließ Friedrich unbeantwortet. Von Vapiano hieß es im Sommer: “Wir haben viele Pläne und sicherlich gehört Trier zu unseren Wunschstandorten”.  Aktuell wird kein neuer Eröffnungstermin mehr genannt. Aus dem Hause Starbucks verlautete unterdessen: “Starbucks beobachtet kontinuierlich die Standortpotentiale in Deutschland und entwickelt sie weiter, darunter auch Trier”. Derzeit gibt es bundesweit 154 “Coffee Houses” in mehr als 40 Städten.

Bleibt jedoch die Frage:  Wollen wir eine Innenstadt, in der jeder Zweite mit einem Starbucks-Becher oder einer Peek & Cloppenburg-Tüte durch die Fußgängerzone läuft? Oder sind es nicht vielmehr die kleinen Läden, die Trier zu einem Einkaufserlebnis machen? “Ich finde das Angebot in Trier gut so, wie es ist”, erzählt Benjamin Biegel, der gerade mit einer vollgepackten Tüte aus der Buchhandlung Stephanus kommt, einem Trierer Familienbetrieb mit fast 135-jähriger Firmenhistorie. “Hier macht Einkaufen Spaß, weil es so viele kleine Geschäfte gibt. Wenn alle Innenstädte irgendwann gleich aussehen, brauche ich ja nirgends mehr hinzufahren”, ergänzt er. Etwas abseits des touristischen Trubels, in der Neustraße, wird die Vielfalt Triers besonders deutlich: Vom alt eingesessenen Einrichtungsgeschäft über das gemütliche Bistro bis hin zur holländischen Modeboutique reiht sich hier Laden an Lädchen.

Dass sich der Wettbewerb für die Trierer City weiter verschärfen wird, scheint indes sicher. Neue Konkurrenz droht quasi allerorten: sei es in Luxemburg mit seinem geplanten Mammutprojekt “Royal Hamilius” oder in Saarbrücken mit seiner 2010 eröffneten “Europagalerie”. Konkurrenz für Trier könnte auch die Bitburger “BIT Galerie” bringen, deren Eröffnung für nächstes Jahr geplant ist.

Julia Olk und Marcus Stölb

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8 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. richard Leuckefeld schreibt:

    Da habt ihr aber am Ende des Artikels gerade noch die Kurve bekommen.
    Sonst hätte man den Eindruck gewinnen können, ihr bedauert die mangelnde
    Anwesenheit einiger Großfilialisten, die den inhabergeführten Einzelhandel
    platt machen.
    Die Trierer Innenstadt kann ihre Attraktivität nur halten, wenn sie gegenüber anderen Zentren Alleinstellungsmerkmale entwickelt. Das geht von einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität bis hin zu einem Warenangebot, daß sich von anderen, duchfilialisierten Fußgängerzonen unterscheidet.
    Dabei hilft weder Dunkin Donuts noch Kentucky Fried Chicken.
    Im Gegenteil ! Ihr stellt zwar fest, daß in der Innenstadt kaum Leerstand
    besteht, äußert euch aber nicht über die Qualitätsentwicklung des Angebotes.
    In der Regel folgte nach Aufgabe eines alteingesessenem Händlers ein Café to go,
    schnelle Theke, Fast-Food-Laden. Die Schnellgastronomie scheint die einzige Branche zu sein, die die horrenden Mieten auf der Kleinfläche noch bezahlen kann.
    Die größte Gefahr für den stationären Handel in der Stadt habt ihr in eurem Artikel überhaut nicht benannt. In machen Branchen haben sich bereits 20 % des Umsatzes in den Internethandel verlagert. Keiner kan abschätzen wie sich
    dies weiter entwickelt. Darin liegt auch die Zurückhaltung vieler Großfilialisten, an neuen Standorten zu investieren.
    Richard Leuckefeld – Stadtrat und Einzelhändler

  2. M.Grunwald schreibt:

    Kaufen kaufen kaufen kaufen! Das Leben scheint sich nur noch dem Kommerz zu unterwerfen, wenn ich den Schlußsatz lese…

    … und ich schließe mich Benjamin Biegel an: wir brauchen nicht noch mehr Fastfood, vor allem nicht die Ketten.
    Es gibt doch auch gar nicht mehr so viele eigentümergeführten Geschäfte in Trier – die Gründe sind bekannt. Wir brauchen niedrigere Mieten, damit die Eigentümer überhaupt eine Chance haben! Wir brauchen Vielfalt, und nicht Uniformität. Davon haben wir schon mehr als genug in dieser Welt.

  3. S. Wiltschek schreibt:

    @M.Grunwald,

    vorbehaltlose Zustimmung.

    Allerdings. Die monetäre Wahrnehmung der ökologischen Wirklichkeit bei den Mieten zeigt unmissverständlich. Der Preis pro Quadratmeter Mietfläche, speziell im direkten Innenstadtbereich, ist so verdorben, dass man wirklich nur idealistisch an die Sache gehen könnte. Die einzige Chance, KFC und wie die ganzen anderen “Schnellläden” auch heissen, aus Trier rauszuhalten, wäre ein skaliertes Mietmodell. Für “gute Läden” weniger Miete, für o.g. Läden richtig teuer machen. Leider wäre so etwas vor einem verantwortlichen europäischen Gericht nicht 5 Sekunden zu halten. Leider.

    “Was tun” sprach Zeus ….;-))

  4. Luis Guillaume schreibt:

    ist dies eine typisch “trier, ich will keine provinz sein”-geschichte?

    wenn man – wie ich – in einer stadt lebt, in der es 66 shopping malls gibt, in denen sich 66 h&m-läden, 66 mcds, 66 görtz, 66 zara, 66 nanunana, 66… befinden und im nächsten jahr die mall no. 67 eröffnet werden soll, mit einem h&m, einem görtz, einem saturn/mediamarkt, einem zara, einem mcd, da frage ich mich, ob es wirklich eine zeichen von urbanität ist, dass menschen in hippsterklamotten durch die straßen schleichen, um mit starbucks-kaffee auf den egozentrismus im universalen massenkult anzustoßen, dann, liebes trier, bleibe so, wie du bist und halte dir die filialisten weit vor der tür. denn in der diversität liegt das wirklich spannende. und im eigensinn auch. und 66 shopping malls mit dem gleichen angebot machen aus jeder millionenstadt tiefste provinz.

  5. Raimund Scholzen schreibt:

    Wer vermietet denn an die Filialisten? Ist es nicht bequemer, eine gute Miete zu kassieren, anstatt selbst den ganzen Tag hinter der Ladentheke zu stehen?

  6. N. Rau schreibt:

    Ich habe nichts dagegen wenn Läden wie KFC oder Starbucks die Stadt Trier meiden.
    Noch mehr Junkfood braucht die Stadt nun wirklich nicht!!

  7. Stefan Hahmann schreibt:

    Na das sind ja süße Vorstellungen. Da besitzt jemand eine Immobilie in der 1A-Lage und lässt sich freiwillig nen Batzen Miete entgehen um einem kleinen Händler eine Chance zu geben, der dann nach ein paar Jahren sowieso von den Ketten platt gemacht wird. Es ging schon immer ums liebe Geld und es wird auch weiterhin ums liebe Geld gehen. Außerdem gibt es ja schon Läden, die zwar nach außen noch den Eindruck eines privat geführten Geschäftes machen, in Wirklichkeit aber Ketten angehöhren.
    Wogegen die Stadt allerdings was machen sollte ist die Tatsache, dass sich in den 1A-Lagen Ein-Euro-Läden breit machen, die machen ihr Geschäft auch in den Randlagen. Wahrscheinlich können die aber die höchsten Mieten zahlen.
    Ich habe mal im Saarland auf halber Strecke zwischen Trier und Saarbrücken gearbeitet und die Leute dort sagten, dass sie lieber nach Trier einkaufen gehen als nach Saarbrücken, weil hier so ein schönes Flair herrsche. Na hoffentlich bleibt das auch erhalten.

  8. Michael Merten schreibt:

    Wir brauchen dringend einen Görtz! WO es doch kaum noch Schuhgeschäfte in der Innenstadt gibt…

    Ich muß an diese Simpsons-Folge denken: Die Familie geht in die nächste Shopping-Mall, in der rund 3 Viertel aller Läden schon Starbucks gehören. Lisa ist in einem Buchladen stöbert ein bißchen herum, und der Besitzer rät ihr: “Ich würde mich beeilen, denn dieser Laden verwandelt sich in fünf Minuten auch in ein Starbucks!”

    Mir graut es vor der Vorstellung, auch in Trier nur noch Menschen zu sehen, die für einen Pappbecher voller Kaffee ein Vermögen ausgegeben haben und sich diesen Becher geradezu kultig verehren, als habe Madonna persönlich sie bedient.

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