Würden Sie in Syrien eingreifen, Frau Barley?

BarleyInterviewKleinNoch elf Tage bis zur Bundestagswahl. Die SPD hofft, mit Dr. Katarina Barley Unionsmann Kaster das Direktmandat streitig machen zu können. Dass die Juristin das Zeug dazu hat, Christdemokraten gefährlich zu werden, bewies sie im Juni 2005: Da holte sie als politische Newcomerin gegen den heutigen Landrat fast 45 Prozent der Stimmen. In unserer Reihe “16vor-Wahl” konfrontierten wir die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien mit unterschiedlichen Themen, maximal 1 Minute und 16 Sekunden konnten sie auf jede Frage antworten. So sollte Katarina Barley unter anderem erklären, wie sie skeptische Unternehmer vom Mindestlohn überzeugen möchte und weshalb sie beim Thema Moselaufstieg eine Kehrtwende hinlegte; und warum sie im Wahlkampf auch mit ihrem Doktortitel wirbt.

TRIER. Im “Café d’ Artist” der Europäischen Kunstakademie stellte sich die 44-Jährige den Fragen von 16vor und machte bei der Gelegenheit einmal mehr deutlich, dass sie sich nicht allein auf ihren guten Platz auf der Landesliste ihrer Partei verlassen möchte, sondern auch beim Ringen um das Direktmandat auf Sieg setzt. Die Tochter eines Briten und einer Deutschen wurde in Köln geboren und wuchs in der Domstadt auf. Sie studierte Rechtswissenschaften in Marburg und Paris, anschließend promovierte Barley bei einem der bedeutendsten Staatsrechtler der Republik, Professor Bodo Pieroth. Das Thema ihrer Dissertation: “Das Kommunalwahlrecht für Unionsbürger nach der Neuordnung des Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG”. Als Rechtsanwältin arbeitete Barley für eine Hamburger Kanzlei, heute arbeitet sie im Mainzer Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz, wo sie unter anderem für die Bioethik-Kommission des Landes zuständig ist.

Die Europapolitik ist ein bevorzugtes Metier der zweifachen Mutter, die seit 2001 in Schweich lebt. In den Neunzigern sammelte Barley im Ortsbeirat Trier-Nord sowie bei den Jusos erste politische Erfahrungen. 2010 rückte sie dann an die Spitze der SPD im Landkreis Trier-Saarburg – und folgte in dieser Funktion dem Noch-Bundestagsabgeordneten Manfred Nink. Der hatte 2009 im Rennen um das Direktmandat weit hinten gelegen, beinahe wäre die SPD aufgrund des Wahldesasters auf Bundesebene nicht mehr mit einem Vertreter aus dem Wahlkreis Trier vertreten gewesen. Auch dieses Mal hält sich der Berliner Rückenwind für wahlkämpfende Sozialdemokraten in Grenzen, doch will Barley dem Trend trotzen.

Im “16vor-Wahl”-Interview fragten wir die Sozialdemokratin unter anderem nach ihrer Haltung zu einem möglichen militärischen Eingreifen in Syrien und wollten wissen, wie die SPD die Sonderbehandlung von Privatpatienten abschaffen will; und wie Barley zu einer Neuauflage der Großen Koalition stünde.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Klauspeter Bungert schreibt:

    Das ist doch ein im besten Sinn persönliches, authentisches Interview. Ich weiß nicht, was einige Leserbriefschreiber zu früheren Beiträgen hatten, als sie Frau Dr. Barley unterstellten, sie sage bloß allgemein bekannte Positionen ihrer Partei daher. Wenn sie sich skeptisch zu einer weitverbreiteten Forderung äußert, wonach immer mehr aktuelle Medizin für immer mehr Menschen anzustreben sei, und dies auch vollkommen korrekt mit den Gefahren schädlicher Überbehandlungen begründet, dann ist das in diesem Kontext bemerkenswert. Ich erkenne darin überdies die Bereitschaft, sich fremde Positionen anzuhören und sie in ihr Urteil einzubeziehen. Nach einem ausführlichen Gespräch unter acht Augen mit ihr vor einigen Wochen zu diesem Thema glaube ich, daß hier noch einige wichtige Impulse von ihr ausgehen werden. Dies ist übrigens nicht ohne persönliche Beteiligung behauptet. In meinem engeren Umfeld beobachte ich gerade wieder einen Fall ganz offensichtlicher Überbehandlung mit allen Folgen bösen Erwachens.

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